Stand: 14.11.2019 17:02 Uhr

Masern-Impfungen werden für Kinder zur Pflicht

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Ab März 2020 müssen alle Schulanfänger und Kita-Kinder eine Masern-Impfung nachweisen.

Die Impflicht wurde am Donnerstag vom Bundestag beschlossen. CDU, SPD und FDP stimmten dafür, dass Kinder ab März 2020 nur noch mit Masern-Impfschutz in die Kita oder Schule dürfen. Die Impfpflicht gilt auch für Tagesmütter, Kita-Personal, Lehrer und Beschäftigte im Medizinbereich. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro.

Ausnahmen im Gesetz

Unter Einjährige sind von der Regelung ausgenommen, da sie in diesem Alter noch nicht gegen Masern geimpft werden sollen. Auch Menschen, die Impfungen nicht vertragen und alle vor 1970 Geborenen sind vom neuen Gesetz nicht betroffen. Die vor 1970 Geborenen werden vom Gesetz ausgeschlossen, da sie die Masern wahrscheinlich schon durchgemacht haben und daher immunisiert sind. Kinder, die bereits in der Kita oder Schule sind, müssen ihren Impfstatus bis Ende Juli 2021 nachweisen.

Ein Impfstoff wird in eine Spritze gezogen.

Masern-Impfpflicht an Schulen und Kitas kommt

Hallo Niedersachsen -

Der Bundestag hat die Impfpflicht gegen Masern beschlossen, sie besteht künftig in Kindergärten und Schulen. Die Impfung schützt zuverlässig - die Reaktionen sind dennoch gespalten.

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Reaktionen der Schulen und Kindergärten

Schulleiter und Schulleiterinnen freuen sich laut NDR 1 Niedersachsen über das neue Gesetz - endlich ist die Sache für alle klar und eindeutig. Sie hoffen, dass ihnen von nun an Diskussionen mit den Eltern erspart bleiben. Dirk Brandes, Grundschulleiter in Edemissen, sagt: "Es geht ja nicht um irgendeine obskure Behandlung, sondern es geht um eine anerkannte Maßnahme, die seit Jahrzehnten quasi unstrittig ist. Und nur weil es immer wieder einige wenige gibt, die sich aus meiner Sicht aus nicht nachvollziehbaren Gründen dagegen entscheiden, kann das nicht dazu führen, dass eine Gefährdung für alle ausgeht." Daher begrüßt er wie auch die Schulleiterin Marieke Lünsmann von der Grundschule Schwülper die Impfpflicht ausdrücklich. Lünsmann erklärt: "Auch mein Kollegium würde sich, wenn nötig, nochmal impfen lassen gegen Masern. Weil sie auch selber Kinder haben und sagen: Ich muss meine Familie schützen." Nicht ganz so glücklich sind die Kindergärten. Der Verband der evangelischen Kindergärten kritisiert, dass die Kita-Leiter und -Leiterinnen Jungen und Mädchen, die nicht geimpft sind, melden sollen - das zerstöre das Vertrauen zu den Eltern.

Bisher 87 Masernfälle in diesem Jahr

Ursächlich für das Gesetz ist die deutlich gestiegene Anzahl der Erkrankten: Insgesamt 87 Fälle von Masern hat das Landesgesundheitsamt Niedersachsen in diesem Jahr bislang registriert. Im Vergleich zu den Vorjahren ein sprunghafter Anstieg: 2018 waren 18 Fälle aufgetreten; 2017 nur 15. 2015 waren es jedoch 50 Fälle in Niedersachsen. 2019 fiel vor allem der Landkreis Hildesheim durch viele Masernerkrankungen auf: Alleine 43 Fälle gab es hier - einer endete tödlich.

Außer in Hildesheim meist Einzelfälle

In anderen Landkreisen gab es dagegen lediglich Einzelfälle, etwa im Landkreis Peine (9), der Region Hannover (6) sowie den Landkreisen Göttingen und Harburg (jeweils 5). Von den in diesem Jahr Erkrankten waren 13 Kinder unter 10 Jahren, 20 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 sowie 52 Erwachsene zwischen 18 und 49.

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Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, findet die Masern-Impfpflicht richtig. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Das ist ein ganz wichtiges Werkzeug, um die Masern endlich auszurotten." Hierbei habe es bisher wenig Fortschritte gegeben. "Die Impfquoten liegen noch deutlich zu niedrig. Außerdem impfen wir zu spät", kritisierte Fischbach. Immerhin: Im Landkreis Hildesheim ließen sich aufgrund der vielen Masernfälle deutlich mehr Menschen impfen. Im ersten Quartal wurden 1.213 Impfdosen mehr verabreicht als im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 86,1 Prozent. Deutschlandweit waren zuletzt 92 Prozent aller Schulanfänger nach Angaben des Robert Koch-Instituts geimpft. Vollständiger "Herdenschutz" besteht jedoch erst, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind.

Hintergrund: Masern

Masern sind hochinfektiös. Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen, übertragen. Die Symptome reichen von Schnupfen, Fieber und Husten bis hin zu rötlich-braunen Hautirritationen. Zudem wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen, etwa einer Hirnhautentzündung, teils mit langfristigen Schäden für das Zentrale Nervensystem. Zwei von 1.000 Patienten sterben laut Robert-Koch-Institut an den Folgen einer Masern-Infektion.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.11.2019 | 08:00 Uhr

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