Stand: 10.09.2020 15:09 Uhr

Lügde-Bericht bleibt für Jugendämter folgenlos

Blauer Himmel ist über dem Kreishaus als Sitz des Landrates zu sehen. © dpa Foto: Peter Steffen
Ein Sonderbericht wirft dem Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Lügde schwere Fehler vor. (Archivbild)

Es ist nicht gut, aber es bleibt wohl wie es ist: Für die Jugendämter in Niedersachsen wird ein belastender Bericht über die Rolle des Jugendamts im Landkreis Hameln-Pyrmont im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall von Lügde keine Konsequenzen haben. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärte am Donnerstag im Sozialausschuss, keinen strukturellen Veränderungsbedarf zu sehen. Zu Fehlern im Jugendamt Hameln-Pyrmont sei es gekommen, weil Richtlinien nicht eingehalten wurden und die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern unzureichend war. Die Jugendämter könnten aus dem Bericht lernen, dass klare Strukturen zum Kinderschutz nötig seien und diese auch gelebt werden müssten.

VIDEO: Lügde: Sonderermittlerin legt Bericht vor (3 Min)

Kinderschutzkongress wegen Corona verschoben

Eigentlich sollten die Jugendämter auf einem Kinderschutzkongress erfahren, welche Lehren sich aus den Fehlern im Fall Lügde ziehen lassen. Der Kongress wurde allerdings wegen der Corona-Pandemie verschoben und bislang nicht neu geplant. Schon jetzt biete das Land den Jugendämtern umfangreiche Hilfe bei der Qualifizierung und Beratung, sagte Reimann. In der kommenden Woche berät der Landtag über eine Enquetekommission, die nach weiteren Verbesserungen im Kinderschutz suchen soll.

Hinweisen auf Pädophilie nicht ordentlich nachgegangen

Das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont hatte die Pflegschaft für ein Mädchen einem Mann übertragen, der später als einer der Haupttäter im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde zu 13 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt wurde. Laut dem Bericht der Sonderermittlerin hat die Behörde mindestens vier Hinweise auf die mangelnde Eignung und eine mögliche Pädophilie des Pflegevaters erhalten. Diesen sei nicht ordentlich nachgegangen worden, so das Fazit.

Weitere Informationen
Polizeiabsperrung auf einem Campingplatz in Lügde.

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Der Angeklagte Andreas V. steht im Gerichtssaal und hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht, daneben steht der Angeklagte Mario S. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

Lügde: Hohe Haftstrafen für "abscheuliche Taten"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2020 | 10:00 Uhr

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