Stand: 05.02.2017 19:15 Uhr

Listenplätze: Hampel an AfD-Spitze, Rest dauert

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Zustimmung für den Parteifreund: AfD-Bundesvize Gauland (links) und Hampel, Landesvorsitzender in Niedersachsen.

Die Wahl der Bundestagskandidaten der AfD dauert länger als geplant. Auf ihrem Landesparteitag sind bis Sonntagnachmittag nur 5 von 30 Listenplätzen vergeben worden. Der Landesverband will sich aber am kommenden Wochenende erneut treffen, um die restlichen Listenplätze zu besetzen. Bereits am Sonnabend wählten die Mitglieder der Partei mit großer Mehrheit den umstrittenen Landesvorsitzenden Hampel zur ihrem Spitzenkandidaten. Auf Platz zwei setzte sich Hampels Vize Jörn König durch. Der vierte Kandidat auf der Landesliste, Wilhelm von Gottberg (76), könnte nach der Bundestagswahl Alterspräsident des Parlaments in Berlin werden.

Paul Hampel sitzt beim AfD-Treffen im Hannover.

Hampel ist Spitzenkandidat der AfD Niedersachsen

Hallo Niedersachsen -

Paul Hampel, Landesvorsitzender der AfD, ist in Hannover zum niedersächsischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt worden. Seine Kritiker blieben der Versammlung fern.

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Gauland: "Er kann die Leute mitreißen"

Der 59 Jahre alte ehemalige Journalist Hampel bekam in Hannover 346 von 407 Stimmen. Zwei Gegenkandidaten hatten nur geringe Chancen. "In Preußen heißt die erste Devise: Ich diene", so Hampel nach der Abstimmung. "Wir schaffen das, wir machen das, ich melde mich auf der Brücke." Vor der Abstimmung sprach sich Alexander Gauland, stellvertretender Bundesvorsitzende der AfD, für Hampel aus. Um den Landesvorsitzenden war zuletzt ein parteiinterner Streit entbrannt. Manche AfD-Mitglieder werfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. "Er kann die Leute mitreißen, das ist seine große Fähigkeit", lobte Gauland. "Und ich kann Ihnen nur zu diesem Vorsitzenden gratulieren."

Kandidat bezeichnet Erinnerungskultur als "Kult mit der Schuld"

Der mögliche künftige Alterspräsident Gottberg sagte in seiner Bewerbungsrede, er wolle sich als Bundestagsabgeordneter dafür stark machen, den "Kult mit der Schuld" zu beenden. Die zwölf Jahre NS-Zeit seien die dunkelsten in der deutschen Geschichte gewesen, aber sie seien auch aufgearbeitet worden. Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke hatte zuletzt mit seiner Forderung nach einer 180-Grad-Wende im Umgang mit der deutschen Vergangenheit bundesweit für Empörung gesorgt.

Abbruch der Versammlung? Antrag abgelehnt!

Zu Beginn des Treffens in Hannover hatte Hampel eine Rede vor den Parteimitgliedern gehalten - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Seine Gegner waren der Aufstellungsversammlung meist ferngeblieben. Ein Antrag aus dem Kreisverband Oldenburg-Ammerland, die Veranstaltung abzubrechen, wurde von der Mehrheit der 419 anwesenden Parteimitglieder abgelehnt. Etwa 30 Unzufriedene stimmten dafür. "Hampel will sich doch nur die Pfründe sichern und dann ab nach Berlin. Deshalb sollte man das abbrechen hier", erklärte eine Frau aus dem Kreisverband Harburg.

Absage, dann Zusage

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419 stimmberechtigte Mitglieder der Niedersachsen-AfD sind nach Hannover gekommen.

Erst am Freitag hatte Niedersachsens AfD-Landeschef Hampel sichergestellt: "Die Aufstellungsversammlung findet wie geplant statt". Ganz sicher war das zu diesem Zeitpunkt aber nicht. Der Landesschatzmeister Bodo Suhren hatte zuvor NDR 1 Niedersachsen gesagt, die Veranstaltung falle aus, weil die Einladungen zu spät verschickt worden seien. Das Bundesschiedsgericht der Partei hatte daraufhin am Freitag entschieden, dass eine Frist von 27 statt der in der Parteisatzung vorgesehenen 28 Tage für den Versand der Einladung ausreicht und die Kandidatenkür stattfinden kann.

Ostfriesischer Kreisverband komplett zurückgetreten

Hintergrund des Hin und Her ist ein innerparteilicher Streit. Mehrere Kreisverbände rebellieren mehr oder weniger offen gegen Landeschef Hampel und fordern seine Ablösung. Neben einem autoritären Führungsstil werfen die Mitglieder ihm auch eine zu große Nähe zum rechtsextremen Rand vor. Hampel hat das zurückgewiesen. In Ostfriesland ist aus Protest gegen den Landesvorsitzenden der komplette Kreisvorstand zurückgetreten. Der ehemalige Chef der AfD in Leer, Holger Pieters, hat den Leeraner Aufbruch gegründet, dem sich rund 20 AfD-Mitglieder angeschlossen haben. Sie haben einen Eilantrag an den Landesvorstand gestellt, alle Rechtsextremen aus der Partei auszuschließen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.02.2017 | 12:00 Uhr

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