Stand: 08.03.2018 17:00 Uhr

Lies will Abschuss-Quote für Wölfe

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) spricht sich für eine Obergrenze für Wölfe in Niedersachsen aus. "Vorausgesetzt, der günstige Erhaltungszustand ist erreicht, dann müssen wir Maßnahmen ergreifen, um ein weiteres Anwachsen der Population zu vermeiden", sagte Lies am Donnerstag in Hannover nach einem Besuch bei der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission in Brüssel. Dies seien Maßnahmen, "die dazu führen, dass der Wolf am Ende getötet wird." Er könne sich eine Abschuss-Quote wie in Frankreich vorstellen - dort dürften bis zu 50 Tiere im Jahr getötet werden.

14 Wolfsrudel leben derzeit in Niedersachsen

Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die Wolfspopulation in Deutschland stabil genug sei, um sich selbst zu erhalten. Lies zufolge leben zurzeit 14 Wolfsrudel mit insgesamt rund 150 Tieren in Niedersachsen. Darunter seien etwa 30 erwachsene Wölfe und zahlreiche Jungtiere. Der Minister will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der sogenannte günstige Erhaltungszustand künftig jedes Jahr überprüft wird. "Nach Feststellung des günstigen Erhaltungszustands ergibt sich dann die Möglichkeit, die Population besser zu managen und ein weiteres Anwachsen der Population kontrolliert zu begrenzen, auch zum Schutz des öffentlichen Interesses wie die Deichsicherheit", so Lies.

Abschuss nach EU-Recht verboten

Unterstützung erfährt Lies bei den Weidetierhaltern. Sie fordern schon Langem einen anderen Umgang mit Wölfen. In den Landkreisen Uelzen, Lüchow-Dannenberg und auch im Heidekreis sei längst die höchstmögliche Zahl an Wölfen erreicht, sagt etwa Jochen Rehse vom Schafzucht-Verband Niedersachsen. Hier seien die Territorien alle verteilt. Er unterstütze das Vorhaben des Umweltministers, so Rehse. Demgegenüber verweist der Naturschutzbund Nabu darauf, dass der Wolf nach wie vor ein streng geschütztes Tier sei. Nach europäischem Recht dürfe er nicht gejagt werden. Auch der von Lies ins Gespräch gebrachten Abschuss-Quote erteilt Nabu-Sprecher Philip Foth eine Absage. Zudem sei klar definiert, dass es in Deutschland 1.000 erwachsene Wölfe geben müsse, damit die Art sicher erhalten bleibe. Nach Angaben Foths leben in ganz Deutschland im Moment 150 erwachsene Tiere.

Verhalten der Wölfe soll genauer analysiert werden

Zudem solle künftig aus jedem der 14 Wolfsrudel ein Tier besendert werden. Dafür sollen die Wölfe mit sogenannten Soft-Catch-Traps gefangen werden. Da diese Fallen vom Funktionsprinzip einem sogenannten Tellereisen beziehungsweise Fußeisen ähnelten, seien sie bisher zwar nicht zugelassen. Doch die EU wolle der Verwendung zustimmen, heißt es aus dem Umweltministerium. Verletzt würden die Tiere in diesen Fallen nicht. Die Sender könnten unter anderem Aufschluss darüber geben, inwieweit sich die Wölfe Städten näherten oder Distanz hielten und wie "Vergrämungsmaßnahmen" wirkten, sagte Lies. "Wir brauchen eine Chance, das Verhalten des Wolfes genauer zu analysieren." Zusammen mit der Begrenzung der Population auf bestimmte Gebiete könnte letztlich die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung steigen.

Der letzte besenderte Wolf war das Tier "MT6" gewesen. Der auch "Kurti" genannte Rüde war 2016 südlich von Lüneburg auf behördliche Anordnung erschossen worden, weil er dem Menschen zu nahe gekommen sein soll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.03.2018 | 16:00 Uhr

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