In einer Sporthalle schreiben Schüler Abitur unter Corona-Bedingungen. © picture alliance/dpa/Felix Kästle Foto: Felix Kästle

Lehrerverband fordert weiterhin Testpflicht auch beim Abi

Stand: 16.04.2021 19:58 Uhr

Für das am Montag beginnende Abitur in Niedersachsen besteht nun doch keine Testpflicht für Schüler. Der Philologenverband kritisiert die Entscheidung scharf.

Der Infektionsschutz an den Schulen habe dadurch über Nacht eine empfindliche Delle erfahren, sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz am Freitag in Hannover. Damit werde große Unruhe in die Schulen getragen. "Strukturiertes Krisenmanagement sieht anders aus", sagte Audritz. Sein Verband erwarte, dass die Aussetzung der Testpflicht umgehend zurückgenommen werde, damit Prüfungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko stattfinden könnten. Das Land hatte zuvor entschieden, dass bei schriftlichen Klausuren sowie den mündlichen Prüfungen kein negatives Testergebnis oder eine ärztliche Bescheinigung erforderlich ist. Ziel der kurzfristigen Maßnahme sei es, auch den Prüflingen, die sich nicht testen lassen wollen, die Teilnahme am Abitur zu ermöglichen, so der Ministeriumssprecher am Freitag zur Begründung.

Angesichts der Prüfungssituationen, wo größere Gruppen ohne Luftreiniger und ohne Trennwände bis zu sechs Stunden Prüfungsarbeiten schreiben, nehme die Verunsicherung zu und belaste die Prüfungen zusätzlich, sagte Audritz hingegen. Aus dem Ministerium wurde daher auch dringend an die Schülerinnen und Schüler appelliert, an Klausurtagen das Testangebot wahrzunehmen. Landesweit nehmen voraussichtlich 32.000 Schülerinnen und Schüler an rund 450 Schulen an den Abitur-Prüfungen teil. Gestartet wird am Montag mit der Klausur im Fach Geschichte. Mit den möglichen mündlichen Nachprüfungen zieht sich die Abi-Phase bis Ende Juni. Für die Prüfungen gelten die bestehenden Hygieneregeln.

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Eine Maske und ein Selbsttest liegen auf einer Federmappe. © Picture Alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig

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In einem solchen Fall würden erhebliche Konsequenzen drohen, sagte ein Sprecher. Die Anweisung gelte für alle Schulen. (16.04.2021) mehr

Landesschülerrat wollte Absage

Um das anstehende Abitur hatte es in den vergangenen Wochen Diskussionen gegeben. Unter anderem der Landesschülerrat hatte sich vehement für eine Absage der Prüfungen eingesetzt. Die Kultusministerkonferenz hatte sich aber schließlich darauf verständigt, die Abiturprüfungen in allen 16 Bundesländern wie geplant stattfinden zu lassen. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte bereits vor einiger Zeit erklärt, dass man faire Prüfungen zusichere, niemand müsse Nachteile wegen Corona befürchten. Er sprach von einem "möglichst normalen Weg des Endes der Schulkarriere", der auch der beste Weg sei, um einen Corona-Makel zu verhindern.

Nicht gleich gut vorbereitet auf das Abi?

Die zugesagte Fairness zweifeln viele Schüler in Niedersachsen aber an. "Wir werden also gezwungen, in den sauren Apfel zu beißen", sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz, der in diesem Jahr selbst in Braunschweig das Abi schreibt. "Die Prüflinge waren wohl noch nie so unterschiedlich vorbereitet wie 2021", sagte Reetz. Für eine Absage sei es nun zwar zu spät, sollten die Ergebnisse aber regional unterschiedlich oder möglicherweise deutlich schlechter ausfallen, müsse darauf reagiert werden, forderte er.

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Auch der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) ist nicht glücklich mit der Entscheidung der Kultusminister. Das Gremium hatte auch gefordert, auf die Abi-Prüfungen und die Abschlussprüfungen der Jahrgänge 9 und 10 zu verzichten. "Jetzt sind die Schüler Spielball der Pandemie und wir blicken mit Sorge auf die Entwicklung", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, René Mounajed. Sollten in der Prüfungsphase Fälle auftreten, drohe ein inhaltlicher und juristischer Rattenschwanz, warnte er.

Eltern in Sorge wegen gestiegener Infektionsgefahr

Mit Sorge blickt der Landeselternrat auf die durch die Corona-Mutanten gestiegene Infektionsgefahr. Sie hätten der Pandemie eine neue Dynamik verliehen, sagte die Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Auch für die Bildungsgewerkschaft GEW stellen die Prüfungen eine riesige Herausforderung dar. "Die Profis in unseren Schulen werden die Prüfungsvorbereitung und -durchführung jedoch trotz der enormen Belastung meistern", sagte die GEW-Vorsitzende Laura Pooth.

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Philologenverband: "Distanzunterricht weiter ab 100er-Marke"

Unterdessen hat der Philologenverband von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gefordert, trotz der geplanten bundeseinheitlichen Regelung Distanzunterricht weiter ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 anzuordnen. "Eine Einigung auf den Inzidenzwert 200 als kleinsten gemeinsamen Nenner ist unzumutbar und nimmt Infektionsrisiken fahrlässig in Kauf", teilte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz am Donnerstagabend mit. Deshalb dürfe der in der niedersächsischen Corona-Verordnung und im Stufenplan des Kultusministeriums festgelegte Inzidenzwert von 100 für den Wechsel in den Distanzunterricht nicht aufgehoben werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.04.2021 | 12:00 Uhr

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