Junge Hausschweine sammeln sich in einem Stall um eine Landwirtin. © dpa-Bildfunk Foto: Jantje Ziegeler

Landwirtschaft in der Krise - Bauern verdienen viel weniger

Stand: 25.11.2021 18:21 Uhr

Die Landwirte in Niedersachsen haben als Folge der Corona-Pandemie und aufgrund von Handelsbeschränkungen im zurückliegenden Jahr deutlich weniger verdient.

Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Donnerstag in Oldenburg mitteilte, gingen die Unternehmensergebnisse im Wirtschaftsjahr 2020/21 im Durchschnitt um rund 33 Prozent zurück. Im Vorjahr erwirtschafteten die Betriebe im Durchschnitt noch 71.400 Euro, in diesem Jahr lag das Ergebnis bei 48.300 Euro. "Die solide betriebliche Basis ist in vielen Betrieben in größter Gefahr", sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje. Vor allem Tiermastbetriebe steckten in einer ruinösen Preis-Kosten-Falle.

Tiermastbetriebe leiden besonders

In der Tiermast sind die Einkommensverluste laut Kammer besonders dramatisch. Das durchschnittliche Jahresergebnis bei den Mästern sank von 129.600 Euro im Vorjahr auf 27.900 Euro. Hier wirke sich die coronabedingte Schließung von Gastronomie und Kantinen ebenso aus wie das Exportverbot nach China und in andere asiatische Staaten aufgrund des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland, sagte Schwetje: "Wir sind auf einem Niedrigpreisniveau für Schlachtschweine angelangt, das es seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gab."

Der Ackerbau kommt glimpflich davon

Nicht ganz so dramatisch stellt sich die Lage in anderen Bereichen der Landwirtschaft dar. Der Kammer zufolge schrumpften die Ergebnisse der Ackerbaubetriebe von 73.600 Euro im Jahr 2019/20 auf 62.400 Euro in diesem Jahr. Der Ackerbau profitiert derzeit von der steigenden Nachfrage bei Getreide und Raps. Milchviehbetriebe kamen bei einem Milchpreisniveau von rund 33 Cent pro Liter auf ein Ergebnis von durchschnittlich 53.000 Euro - 2019/20 waren es 56.500 Euro. Für die Milchviehhalter bedeute das im dritten Jahr in Folge einen Rückgang der Ergebnisse. Die Milchbauern hoffen nun auf steigende Weltmarktpreise bei Milchpulver und Butter und auf ein besseres Jahr 2022.

Viele Bauernfamilien steigen aus

Als Folge der negativen Entwicklung sei der finanzielle Druck auf die Betriebe gestiegen. Höhere Anforderungen in Sachen Klima-, Umwelt-, Arten-, Gewässer- und Tierschutz seien bei der schlechten wirtschaftlichen Situation von den Betrieben derzeit kaum zu finanzieren. Zusätzlich schlagen in diesem Jahr laut Kammer stark gestiegene Kosten für Energie, Dünger und Saatgut zu Buche. Mit jedem verkauften Mastschwein oder Ferkel würden die Landwirte derzeit Verluste machen, so Schwetje. Die Kosten für die Produktion seien deutlich höher als die Erlöse. Viele Bauernfamilien steigen laut Schwetje derzeit zum Teil oder ganz aus der Landwirtschaft aus und suchen andere Einkommensquellen. Eine grundsätzliche Trendwende könne die Kammer derzeit nicht erkennen, hieß es.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 25.11.2021 | 15:00 Uhr

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