Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld im Landkreis Hildesheim. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Landwirtschaft: Mehr Schweine, weniger Halter, größere Höfe

Stand: 21.01.2021 20:10 Uhr

Niedersachsens Landwirtschaft ist weiter im Wandel: Weniger, dafür größere Höfe, ein großer Trend zur Geflügelhaltung - und mehr Frauen in der Verantwortung.

Das zeigen vorläufige Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020, die das Landesamt für Statistik am Donnerstag mitgeteilt hat. Diese Landwirtschaftszählung erfolgte zum Stichtag 1. März 2020 und wird in Deutschland alle zehn Jahre vorgenommen.

Rückgang in Niedersachsen größer als im Bundesschnitt

Demnach hat sich in Niedersachsen der Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe fortgesetzt. Gegenüber dem Jahr 2010 sank die Zahl der Höfe um 6.200 auf 35.500. Das ist ein Rückgang von fast 15 Prozent. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen auch, dass in Niedersachsen deutlich mehr Landwirte aufgeben als im Bundesdurchschnitt (12 Prozent).

Betriebe werden größer

Hude: Eine Landwirtin und ihr kleiner Sohn sitzen am Abend in ihrem Trecker. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Die Zahl der Betriebsleiterinnen hat in den vergangenen zehn Jahren zugelegt.

Auf der anderen Seite werden die Betriebe größer - und haben neue Dimensionen erreicht, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Im Schnitt bewirtschaftet ein Landwirt in Niedersachsen 73 Hektar und damit zehn Hektar mehr als im Bundesvergleich. Fast ein Viertel aller Landwirte in Niedersachsen bewirtschaften sogar eine Fläche von mindestens 100 Hektar.

Landvolk-Präsident: Auflagen sind Ursache

Holger Hennies, der neugewählte Präsident des Landvolkes, sieht "zu viele neue Auflagen und Verordnungen" als Ursache für die Entwicklung. "Alle wollen regionale und kleine Bauernhöfe, doch dieser Strukturwandel bewirkt das Gegenteil", sagte Hennies und forderte praktikable Lösungen sowie ein Ende weiterer Auflagen: "Wir brauchen Luft zum Durchatmen", so Hennies.

Weniger familiäre Unterstützung

In der Folge des Strukturwandles ist auch die Zahl der Mitarbeitenden und der Saisonarbeitskräfte gegenüber dem Jahr 2010 deutlich gesunken. Im Zeitraum Februar 2019 bis März 2020 wurden rund 44.700 Saisonarbeitskräfte gezählt. Vor einem Jahrzehnt waren es mit 53.900 Saisonkräften noch 17,1 Prozent mehr. Noch größer ist der Rückgang, wenn es um Mitarbeiter aus der eigenen Familie auf dem Hof geht: Die Anzahl der sogenannten Familien-Arbeitskräfte ging gegenüber 2010 um fast ein Viertel auf 55.300 zurück. Im Gegenzug stieg die Anzahl der sogenannten familienfremden Arbeitskräfte um fast 50 Prozent auf 35.200. Einen kleinen Anstieg gibt es laut der Erhebung bei der Zahl der Betriebsleiterinnen auf den Höfen in Niedersachsen. 3.400 Höfe wurden landesweit von einer Frau geleitet - rund zehn Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

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Weniger Schweinehalter, aber mehr Schweine

Deutlich wird der Strukturwandel auch in der Tierhaltung: Von den Landwirten, die in Niedersachsen Schweine hielten, hat in den vergangenen zehn Jahren rund ein Drittel aufgegeben. 6.500 Betriebe mit Schweinehaltung existieren demnach noch. Die Zahl der gehaltenen Schweine hingegen ist in dieser Zeit sogar leicht gestiegen - auf mehr als 8,6 Millionen. Deutlich zugenommen hat die Zahl der Legehennen in Niedersachsen: Sie kletterte auf fast 21 Millionen Tiere - fast 85 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Die Zahl der Betriebe mit Legehennen sank dagegen - von 4.900 auf 4.700.

Ökologischer Landbau hinkt hinterher

Durchwachsen ist die Entwicklung in Niedersachsen, wenn es um den ökologischen Landbau geht. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Betriebe zwar um knapp 42 Prozent auf 1.700 gestiegen. Bundesweit lag der Anstieg in diesem Bereich allerdings bei 60 Prozent. Nur 4,7 Prozent der insgesamt 2,6 Millionen Hektar Landwirtschaftsfläche werden in Niedersachsen ökologisch bewirtschaftet. Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Anteil der Ökofläche doppelt so hoch (9,6 Prozent).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.01.2021 | 13:00 Uhr

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