Hunderte Akten stehen aufgereiht in einem Büro. © picture alliance/dpa Foto: Johannes Schmitt-Tegge

Landesverwaltung hinkt bei Digitalisierung hinterher

Stand: 01.03.2021 11:07 Uhr

Personal, Planung, Hard- und Software: Niedersachsens Landesrechnungshof listet in einem internen Prüfbericht massive Fehler des Innenministeriums bei der Digitalisierung auf.

Die obersten Finanzkontrolleure des Landes schreiben von einem "kritischen Programmstand" bei der Digitalisierung der Landesbehörden. Das berichtet das Politikjournal "Rundblick" in Hannover unter Berufung auf die 45-seitige Prüfmitteilung des Landesrechnungshofs (LRH). Im Dezember waren demnach vier von sechs Teilvorhaben mit "rot" markiert und erst zu einem Teil fertiggestellt. Spätestens im Juli 2021 müssten diese sogenannten Basisdienste laut Landesgesetz jedoch zur Verfügung stehen. Das Ministerium habe noch nicht einmal abschließend geklärt, "welche technischen Komponenten den Ressorts für die Erfüllung ihrer Verpflichtungen bereitgestellt werden".

Entscheidungsstau durch unklare Aufgabenverteilung

Ein entscheidender Grund für die Verzögerungen liegt dem Rechnungshof zufolge in der Aufgabenverteilung. "Eine nicht trennscharfe Aufteilung in strategische und operative Programmleitung führte zu einem Entscheidungsstau. Der Versuch, diese Defizite durch personelle Maßnahmen abzustellen, scheiterte." Im Innenministerium fehlten zudem bis zu 20 Fachkräfte für die Umsetzung der Aufgaben, beklagt der Rechnungshof dem Bericht zufolge. Elektronische Rechnungen gebe es zwar schon, aber wegen der fehlenden Software würden sie in vielen Verwaltungen ausgedruckt und dann herkömmlich bearbeitet. Die Verzögerung bei der Einführung der elektronischen Akte betrage ein Jahr.

Videos
Eine junge Frau sitzt alleine im Büro, während alle KollegInnen aus dem Homeoffice arbeiten.
3 Min

Firmen und Behörden zu analog aufgestellt für Homeoffice

Mobiles Arbeiten soll nur noch aus zwingenden betrieblichen Gründen verboten werden dürfen. Das stellt viele vor Probleme. (20.01.2021) 3 Min

Ende 2022 sollen Bürger alle Leistungen digital nutzen können

Das Online-Zugangsgesetz des Bundes verlangt dem Bericht zufolge, dass die Bürgerinnen und Bürger bis Ende 2022 alle Verwaltungsleistungen auch elektronisch über entsprechende Portale regeln können. Nicht festgelegt sei allerdings, dass auch bei der Verwaltung die weitere Bearbeitung online geschehen müsse.

Eine Reaktion des Innenministeriums lag zunächst nicht vor.

Weitere Informationen
Maus auf einem Laptop © Panther Media Foto: Philippe Ramakers

Förderung: Landkreis Uelzen wird digitale Modellregion

Für seine Digitalisierungsstrategie bekommt der Landkreis Uelzen bis zu einer Million Euro Förderung durch den Bund. (20.01.2021) mehr

Ein Mädchen sitzt am häuslichen Esstisch und erledigt seine Hausaufgaben mithilfe eines Tablet PC. © Imago Images Foto: Fotostand

Digitalpakt: Zu viel Bürokratie, zu wenig Verlässlichkeit?

Seit einem Jahr wird das Bundesprogramm auch in Niedersachsen genutzt. Die Zwischenbilanz fällt durchwachsen aus. (18.01.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.02.2021 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Abiturienten schreiben ihre Abiturprüfung. © dpa Foto: Armin Weigel

Lehrerverband fordert weiterhin Testpflicht auch beim Abi

32.000 Schülerinnen und Schüler beginnen am Montag mit den Prüfungen. Das Land hat die Testpflicht für sie aufgehoben. mehr