Land kündigt Neuregelung bei Corona-Kontaktnachverfolgung an

Stand: 07.09.2021 14:38 Uhr

Die strikte Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infizierten ist aus Sicht des Niedersächsischen Landkreistags (NLT) weder weiter sinnvoll noch nötig. Das Land kündigte am Dienstag eine Neuregelung an.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sagte in der wöchentlichen Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs, sie teile die Sorge des NLT, dass die Ämter durch steigende Infektionszahlen stark belastet würden. In der Konferenz der Gesundheitsminister der Länder sei die Zukunft der Kontaktnachverfolgung ebenfalls Thema gewesen. Man habe Experten - unter anderem vom Robert-Koch-Institut (RKI) - gebeten, einen Leitfaden zum künftigen Vorgehen zu entwerfen, so Behrens. Auf dieser Basis sollen die Kommunen dann instruiert werden. Die Ministerin geht davon aus, dass die Ergebnisse am kommenden Montag vorliegen. Denkbar sei etwa, Kontakte nur noch bei "vulnerablen Gruppen" nachzuverfolgen - etwa bei ungeimpften Kindern.

Wiswe: Kontakte von Jüngeren lassen sich kaum nachvollziehen

Das Zurückverfolgen von Infektionsketten sei in der Vergangenheit ein Garant gewesen, um die Pandemie einzudämmen, so NLT-Präsident Klaus Wiswe. Angesichts der hohen Impfquote bei älteren Menschen und dem geringem Risiko, das junge Menschen haben, gelte das nicht mehr. Hinzu komme: "Die jüngeren Jahrgänge haben eine Vielzahl von Kontakten, die kaum zu erfassen sind", heißt es vom NLT. "Wir müssen unsere knappen Ressourcen auf diejenigen konzentrieren, die im Fall einer Infektion wirklich gefährdet sind", heißt es weiter.

Quarantäne-Regeln werden teilweise nicht mehr akzeptiert

Wiswe nannte die neuen Regeln in Schulen in diesem Zusammenhang am Dienstag einen "ersten Schritt in die richtige Richtung". Nach einem neuen Beschluss müssen bei einem Corona-Fall nicht mehr alle Kinder einer Klasse in Quarantäne, sondern nur noch enge Kontaktpersonen - etwa Sitznachbarn. Es gebe Stimmen, die forderten, Kinder vollständig aus der Kontaktnachverfolgung herauszunehmen, so Wiswe. Die derzeitigen Maßnahmen würden nicht mehr von allen akzeptiert. "Das führt dazu, dass wir bei der Kontaktnachverfolgung regelmäßig angelogen werden." Die künftigen Regeln müssten aber wissenschaftlich fundiert sein. Man werde nun abwarten, was die Experten sagen, entgegnete Ministerin Behrens. Sie könne sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, Corona an Schulen unbeobachtet laufen zu lassen.

Mehr Personal vom Land?

Sollten die Regeln nicht angepasst werden, bräuchten die Gesundheitsämter angesichts der steigenden Inzidenzwerte umgehend mehr Personal vom Land, so der NLT. Die Kapazitäten in den Landkreisen seien erschöpft, sagte Wiswe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.09.2021 | 14:00 Uhr

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