Stand: 16.08.2018 13:48 Uhr

Land kämpft gegen sexuelle Gewalt an Schulen

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD, re.) forderte dazu auf, sexuelle Gewalt und Belästigung in Schulen nicht totzuschweigen.

Niedersachsen will Schüler besser vor sexueller Gewalt schützen. Als zehntes Bundesland ist das Land der entsprechenden Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" beigetreten. "Sexuelle Gewalt und sexuelle Belästigung sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das vor Schule nicht halt macht", sagte der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf einer Fachtagung in Hannover. Es dürfe aber kein Totschweigen in den Schulen geben. Die Informationskampagne "Schule gegen sexuelle Gewalt" wurde von Johannes Wilhelm Rörig, dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs initiiert. Sie soll Schulen helfen, Konzepte zur Prävention und Erkennung sexueller Gewalt zu entwickeln. Für Niedersachsen erfolgt dies zunächst über eine Broschüre, die vom Kultusministerium erarbeitet wurde. Sie soll Schulleitern genaue Anweisungen zum Umgang mit Fällen von sexuellen Grenzverletzungen geben.

Mehr Hinweise auf sexuelle Übergriffe an Schulen

Seit dem Jahr 2012 können Schüler, Eltern und Lehrer in Niedersachsen mögliche Missbrauchs- und Diskriminierungsfälle bei einer Anlaufstelle im Kultusministerium melden. Und davon machen immer mehr Gebrauch: 145 Hinweise auf mögliche sexuelle Übergriffe in Schulen und Tageseinrichtungen wurden nach Angaben des Ministerium im Jahr 2017 verzeichnet - so viel wie noch nie seit Gründung der Opfer-Anlaufstelle. Den Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr von der Anlaufstelle zwei Fälle zur Ermittlung an die Staatsanwaltschaft gegeben. In einem Fall war der mutmaßliche Täter ein Lehrer, in dem zweiten ging es um einen Sozialpädagogen.

Enttabuisierung und Sensibilisierung

Gegenüber den Vorjahren sind die Fälle deutlich angestiegen. Im Jahr 2016 lag die Zahl der Hinweise bei 116, im Jahr 2015 waren es 107. Ein Sprecher des Kultusministeriums führt dies auf mehrere Ansätze zurück: Neben einem gestiegenen Bekanntheitsgrad der Anlaufstelle verweist der Sprecher auf eine Enttabuisierung des Delikts sowie eine höhere Sensibilisierung von Eltern, Schülern und Lehrern.

Deutlicher Anstieg im Bereich Diskriminierung

Zusätzlich zum Anstieg bei den möglichen sexuellen Übergriffen verzeichnet die Anlaufstelle auch eine deutliche Zunahme der Beschwerden über Diskriminierung. Demnach wurden 2017 insgesamt 137 entsprechende Hinweise verzeichnet - ein Jahr zuvor waren es noch 24. Wegen Mobbings und Cybermobbings gingen bei der Anlaufstelle 86 Hinweise ein - zwölf mehr als im Jahr 2016.

Per Telefon und per Mail erreichbar

Die "Anlaufstelle für Opfer von Diskriminierung und sexueller Gewalt an Schulen und Kitas", wie das Angebot offiziell heißt, ist montags bis donnerstags (8 bis 16 Uhr) sowie freitags (8 bis 12 Uhr) unter der Telefonnummer (0511) 120 7120 zu erreichen. Zudem können sich Betroffene per E-Mail (anlaufstelle@mk.niedersachsen.de) an die Einrichtung wenden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.08.2018 | 12:00 Uhr

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