Stand: 15.05.2020 07:23 Uhr

Kraftakt: Niedersachsens neue Schulwirklichkeit

Ein Lehrer hängt ein Einbahnstraßen Schild in einer Schule auf. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Bitte den Einbahnstraßen-Schildern folgen: Wegen der Abstands-Vorschriften ist auch außerhalb der Klassenräume Disziplin gefragt.

Seit knapp zwei Wochen ist der Betrieb an Niedersachsens Schulen wieder angelaufen. Wegen der Corona-Pandemie ganz vorsichtig, unter höchst erschwerten Bedingungen. Und: Nicht alle Klassen dürfen schon zurück in den Präsenzunterricht. Während die Abschlussjahrgänge 4, 9/10 und mittlerweile auch die 12. Klassen wieder die Schulbank drücken, haben in dieser Woche nun auch 12.000 Abiturientinnen und Abiturienten mit ihren Prüfungen begonnen. Mit Abstand sitzen die jungen Menschen zusammen, auf Distanz zueinander und zu ihren Lehrkräften, die Hygiene-Vorschriften sind streng. Doch: "Die Stimmung ist überwiegend positiv", erklärt Bianca Trogisch von der Landeschulbehörde in Lüneburg, bei der die positiven wie negativen Rückmeldungen der Schulen landen.

Wiederaufnahme mit "höchster Motivation"

"Es wird konsequent und intensiv an der Umsetzung aller Vorgaben gearbeitet und bislang ist die Wiederaufnahme und das Prüfungsmanagement des Unterrichts soweit störungsfrei", sagt die Sprecherin, die viel Lob für die Schulen im Land hat. Sie hätten sich gut vorbereitet, die Wiederaufnahme würde von Schulleitungen und Lehrkräften mit höchster Motivation ausgeführt, so Trogisch. Die Leitungen würden verantwortungsbewusst und erfolgreich arbeiten. Die Hygiene- und Abstandsvorschriften würden gewissenhaft und besonnen umgesetzt werden. Zudem werde mit Schülerinnen und Schülern, aber auch mit den Erziehungsberechtigten klar kommuniziert.

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Leitungen, Lehrkräfte und Eltern in Sorge

Dennoch: Der Betrieb an den Schulen funktioniert nur unter großen Entbehrungen. So dauert der Toiletten-Gang länger, weil auch diese Räumlichkeiten nicht mit mehreren Personen betreten werden dürfen, an vielen Schulen sind Flure zu Einbahnstraßen geworden, auf Schulhöfen reihen sich provisorische Wasch-Stationen aneinander. "Teilweise haben Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern Sorgen, ob sich die Hygiene- und Abstandsregeln konsequent einhalten lassen", sagt Trogisch. Die Landesschulbehörde stehe ihnen unterstützend zur Seite.

Eine neue Schulwirklichkeit

Die jungen Menschen, genauso wie die Lehrkräfte kämen überwiegend gerne zurück in die Schule. "Die Schülerinnen und Schüler, die aktuell in der Schule sind, sind sehr bemüht, sich an die Regeln dieser neuen Schulwirklichkeit anzupassen." Der Kontakt untereinander habe ihnen sehr gefehlt - wenn auch Schule jetzt ohne Berührungen, Umarmungen sowie Händeschütteln laufen muss.

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Schüler ausgeschlossen

Auch wenn der Landesschubehörde nach eigenen Angaben aus dem Unterricht keine Schwierigkeiten gemeldet wurden, "müssen die Schulen einzelne Kinder und Jugendliche auf die Regeln hinweisen". An einer Schule in Barsinghausen in der Region Hannover wurden sogar drei Zehntklässler vom Präsenzunterricht ausgeschlossen. Sie hätten auf dem Pausenhof mehrfach die Abstandsregeln nicht eingehalten, obwohl sie wiederholt von den Lehrkräften ermahnt worden seien, erklärte die Landesschulbehörde. Die Regeln seien den Kindern und Jugendlichen zuvor mehrfach schriftlich und mündlich erklärt worden.

Verbesserungsbedarf bei Waschgelegenheiten

Vor der IGS Wedemark befindet sich eine Waschstraße für Schulkinder als Maßnahme gegen das Coronavirus. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata
Die IGS Wedemark hat auf dem Schulhof eine Art "Waschstraße" für Schülerinnen und Schüler eingerichtet.

Abseits des Unterrichts gebe es in manchen Einrichtungen weiterhin Verbesserungsbedarf bei den Waschgelegenheiten. Erst wenn sie den neuen Gegebenheit angepasst sind, haben es auch die Schüler leichter, sich an die Hygiene-Vorschriften zu halten. Dies sei mit wachsender Zahl an den Schulen immer wichtiger. Nächste Woche schon sollen weitere Jahrgänge dazukommen, sodass bis zu den Sommerferien alle Kinder und Jugendliche wieder zurück sind. So lautet der Plan von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Es ruckelt noch

Dass es in dieser Situation "an der einen oder anderen Stelle ruckelt", dessen sei sich die Landesschulbehörde bewusst. "Wir erleben aber viel Verständnis - sowohl bei den Schulleitungen und den Lehrkräften, als auch bei den Schülerinnen und Schülern und den Erziehungsberechtigten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.05.2020 | 12:00 Uhr

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