Stand: 03.01.2019 15:44 Uhr

Klinik will Personalquote notfalls ignorieren

Kein Notfall-Patient wird abgewiesen: Michael Moormann kündigt an, dass sich das Klinikum Lüneburg in Ausnahmesituationen über die neue Pflegeregelung zur Personaluntergrenze hinwegsetzen wird.

Das städtische Klinikum Lüneburg kritisiert die seit Jahresbeginn geltende Personaluntergrenze für Intensivstationen. Diese Vorschrift gehe zulasten von Patienten, bemängelt der Lüneburger Klinikleiter Michael Moormann auf NDR 1 Niedersachsen. Moormann kündigte an, sich im Notfall über die Vorschrift hinwegzusetzen und Patienten selbst dann aufzunehmen, wenn der Personalschlüssel ausnahmsweise einmal nicht erfüllt werden könne.

Zwei Pflegekräfte für fünf Patienten

Seit Anfang des Jahres gelten in den vier Krankenhausbereichen Kardiologie, Intensivmedizin, Geriatrie und Unfallchirurgie so genannte Personaluntergrenzen. Demnach müssen für fünf Patienten mindestens zwei Pflegekräfte anwesend sein. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will dadurch eine bessere Versorgung der Patienten sicherstellen. Einige Klinikleitungen äußerten die Befürchtung, notfalls ganze Abteilungen schließen zu müssen, wenn die geforderte Personalstärke zeitweise nicht erreichbar sei.

Irrfahrt bis Hamburg verhindern

Ein Szenario, in dem schwerkranke Patienten abgewiesen und im Rettungswagen weiter transportiert werden müssen, obwohl es freie Intensiv-Betten gibt, will der Lüneburger Klinikchef Michael Moormann unbedingt vermeiden. Es gelte, eine Irrfahrt in umliegende Krankenhäuser oder vielleicht sogar bis nach Hamburg zu verhindern, betonte Moormann. Dies müsse dann allerdings umfangreich dokumentiert werden, was wiederum Fachkräfte binde, sagte der Klinikleiter. In der Regel gebe es für die 27 Intensivbetten in Lüneburg genügend Personal, so Moormann. Aber wenn Pflegekräfte kurzfristig krank werden, könne es eng werden.

Ist die Regelung ein Bürokratiemonster?

Unterstützung erhält Moormann von Norbert Böttcher, Geschäftsführer der Krankenhäuser in Buchholz und Winsen. Böttcher sagte gegenüber NDR 1 Niedersachsen, die Vorschrift zu verbindlichen Personaluntergrenzen sei für ihn ein Bürokratiemonster.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 03.01.2019 | 15:30 Uhr

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