Eine Luftaufnahme zeigt den Hannoveraner Stadtteil Linden. © picture alliance / Michael Narten Foto: Michael Narten

Klimaneutral heizen - das planen die Parteien nach der Wahl

Stand: 24.09.2021 06:30 Uhr

Der NDR in Niedersachsen hat Bundestagsabgeordnete gefragt und in die Wahlprogramme geschaut, um herauszufinden, wie sich die Parteien das klimaneutrale Heizen der Zukunft vorstellen.

von Katharina Seiler

Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, muss weniger mit Öl oder Gas geheizt werden. Um das zu erreichen, hat die Große Koalition auf beide Produkte einen CO2-Preis-Aufschlag eingeführt. Doch die Entscheidung ist politisch heftig umstritten.

SPD: Vermieter und Mieter sollen sich CO-Aufschlag teilen

Johann Saathoff lächelt in die Kamera © NDR Foto: Lornz Lorenzen
SPD-Politiker Saathoff setzt auf klimafreundliche Heizarten.

Wenn es nach der SPD geht, soll das Heizen mit Erdgas oder Heizöl keine große Zukunft mehr haben. Der Energiepolitiker und SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Emden plädiert stattdessen für klimafreundlichere Heizungen, zum Beispiel mit elektrischen Wärmepumpen. Holt man sich den Strom dann noch über eine Photovoltaik-Anlage, "dann ist das besonders umweltschonend", sagt Saathoff. Und es spart angesichts des Aufschlags auch Geld. Hat man eine klimaneutrale Heizung, entfallen die Zusatzkosten. Das Problem: Ein Hausbesitzer kann über die Art seiner Heizung selbst entscheiden - ein Mieter dagegen nicht. Deshalb sollten sich Vermieter und Mieter den CO2-Preis-Aufschlag teilen - so will das die SPD.

Grüne wollen Aufschlag bei Mietshäusern nicht splitten

Julia Verlinden (Grüne) im Portrait. © Julia Verlinden
Julia Verlinden von den Grünen hält nichts davon, Mieter mit dem CO2-Aufschlag zu belasten.

Die Grünen dagegen finden, der Vermieter sollte den CO2-Aufschlag komplett übernehmen. Denn nur der Vermieter entscheide über die Art der Heizung, sagt Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen und Bundestagsabgeordnete aus Lüneburg. "Der Mieter kann nicht entscheiden 'Ich möchte jetzt etwas für das Klima tun und deswegen tausche ich die Heizung im Keller aus'. Der Vermieter wird ihm was husten", so Verlinden.

Linke und AfD fürchten am Ende zusätzliche Belastung für Mieter

Ob der CO2-Aufschlag wirklich im Sinne des Klimas lenken wird? Da haben die anderen Parteien allerdings ihre Zweifel. Die Linken befürchten, dass er im Endeffekt doch zulasten sozial schwächerer Mieter gehen wird. Und auch die AfD hält ihn für wenig sinnvoll. Jörn König, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Hannover, ist davon überzeugt, dass die Kosten sowieso am Ende beim Endkunden landen, und das, so König, sei immer der Mieter. Und da sei es auch egal, ob diese Kosten auf die Miete umgelegt werden könnten oder nicht. Wenn nicht, dann werde der Vermieter eben die Grundmiete erhöhen, soweit ihm das der gesetzliche Rahmen erlaube.

Liberale wollen Emissionshandel auf Gebäudesektor ausweiten

Dass ein staatlich festgelegter CO2 Preis-Aufschlag letztlich Wohnraum teurer und damit knapper machen werde, das befürchtet auch die FDP. Sie hält es für wirkungsvoller, wenn der CO2-Preis deshalb nicht vom Staat festgesetzt wird, sondern sich am Markt bildet. Deshalb sollte der europaweite Emissionshandel auch auf den Gebäudesektor ausgeweitet werden, findet die FDP.

Union sieht Mieter als Heizungsnutzer in der Pflicht

Oliver Grundmann (CDU), Bundestagskandidat für Stade I und Rotenburg II, im Portrait. © Oliver Grundmann
Unionspolititiker Grundmann will Vermietern Sanierungsanreize bieten.

Die CDU hatte den CO2-Aufschlag auf Heizöl und Gas zwar zusammen mit der SPD beschlossen, ist aber dagegen, dass der Vermieter ihn zahlen soll. Denn der Mieter entscheide selbst, ob er die Heizung auf- oder zudrehe, sagt Oliver Grundmann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Energiepolitiker aus Stade. "Unser Ansatz ist daher, dass wir über Steueranreize und Investitionserleichterungen die Vermieter dazu bringen, in neue, moderne Heizungssysteme zu investieren und dadurch sofort CO2-Emissionen zu reduzieren", sagt Grundmann. Davon werde dann auch der Mieter profitieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder - der Tag | 24.09.2021 | 16:00 Uhr

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