Stand: 26.09.2019 20:26 Uhr

Kita-Qualität hängt auch stark vom Wohnort ab

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Die Zahl der Kinder, für die eine Betreuungskraft zuständig ist, schwankt in Niedersachsen je nach Wohnort. (Themenbild)

Die Qualität der Betreuung in Kindertagesstätten in Niedersachsen ist je nach Wohnort unterschiedlich - und schwankt stärker als in anderen Bundesländern. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Ländervergleichs der Bertelsmann Stiftung zu frühkindlichen Bildungssystemen. Vor allem bei Krippengruppen mit Kindern unter drei Jahren gebe es deutliche Unterschiede, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Ein zentraler Faktor bei der Bewertung ist der Personalschlüssel: Laut der Studie muss eine Fachkraft im Landkreis Wittmund rein rechnerisch fast drei Krippenkinder mehr betreuen als zum Beispiel im Landkreis Oldenburg. In anderen Bundesländern ist das Gefälle der Studie zufolge deutlich geringer.

Betreuungsschlüssel sehr unterschiedlich

Bei Kindern ab drei Jahren sei die Situation etwas besser, so die Experten. Doch auch hier gebe es vor allem in Bremerhaven, Wittmund, Wilhelmshaven, Hildesheim und Goslar noch Nachholbedarf. Empfehlenswert sei eine Erzieherin oder ein Erzieher für 7,5 Jungen und Mädchen in Kindergartengruppen und eine Kraft für drei Krippenkinder bis zwei Jahre.

Situation in der Realität noch schlechter

Die Bertelsmann Stiftung weist darauf hin, dass die Betreuungssituation häufig wesentlich schlechter sei, als es der Personalschlüssel auf dem Papier ausweise. Schließlich seien die Mitarbeiter auch mal krank oder im Urlaub. Rund ein Drittel der Arbeitszeit entfalle zudem auf nicht unmittelbar pädagogische Aufgaben wie Elterngespräche oder Bildungsdokumentationen. Die Experten empfehlen daher, rund 3.300 weitere Fachkräfte in den Kitas anzustellen. Das Land müsste dazu pro Jahr 150 Millionen Euro zusätzlich ausgeben.

Mädge: Ausbildung soll bezahlt werden

Um mehr Betreuungsfachkräfte zu gewinnen, müsse schon der Weg hin zum Beruf attraktiver gestaltet werden, fordern die Experten. Notwendig seien eine kostenfreie Ausbildung, eine angemessene Bezahlung während der Ausbildung sowie eine Renten- und Sozialversicherungspflicht für alle Ausbildungsgänge. Dass die Ausbildung bezahlt werden muss und soll, betonte auch Ulrich Mädge, Präsident des Niedersächsischen Städtetags, am Donnerstag. "Wir haben uns verpflichtet, jetzt ab dem ersten Tag eine Ausbildungsvergütung zu zahlen", so Mädge, der auch Vorsitzender der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände ist. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte an, 30 Millionen Euro zusätzlich für Kitas bereitzustellen.

Bildungsexperten: Personalschlüssel nicht der einzige Faktor

Die Qualität der Betreuung könne allerdings nicht allein an der Personalstärke gemessen werden, betonte Renate Zimmer, frühere Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Osnabrück. Man müsse ebenso die Räume der Kita, das pädagogische Konzept und Weiterbildungsmöglichkeiten betrachten, so Zimmer. Ähnlich äußerte sich Carsten Schlepper aus Bremen, Vorsitzender der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder. Der Verband habe für seine Kitas ein Handbuch herausgegeben, um nachprüfbare Standards in der pädagogischen Arbeit zu beschreiben - Themen darin seien unter anderem der Übergang in die Schule und der Umgang mit Sprache in der Kita.

Jedes dritte Kind wird betreut

In Niedersachsen besuchten im März 2019 nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 72.000 Jungen und Mädchen unter drei Jahren eine Kindertageseinrichtung. Das entspricht einem Anteil von 32,1 Prozent. Große Unterschiede gibt es bei den einzelnen Altersgruppen: So werden 1,5 Prozent der unter Einjährigen, 34,7 Prozent der Ein- bis-Zweijährigen sowie 59,3 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen in einer Kita oder bei Tagesmüttern betreut. Bundesweit hat Sachsen-Anhalt mit 58,2 Prozent die höchste Betreuungsquote. Schlusslicht ist Bremen mit nur 28,2 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2019 | 08:00 Uhr

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