VIDEO: Corona kompakt: Zurückhaltung bei Kinderkrankengeld (1 Min)

Kinderkrankengeld: Instrument in der Krise - sparsam genutzt

Stand: 20.04.2021 21:14 Uhr

Die in der Pandemie ausgeweiteten Kinderkrankentage werden von Eltern in Niedersachsen bisher eher zurückhaltend genutzt. Das belegen Zahlen großer Krankenkassen, die dem NDR vorliegen.

von Annette Deutskens

Bei AOK und DAK in Niedersachsen sind von Januar bis Ende März knapp 40.000 Anträge auf Kinderkrankengeld eingegangen. Weit mehr als die Hälfte davon, weil Kinder Schule oder Kita nicht besuchen konnten - und nicht, weil sie krank waren. Im vergangenen Jahr stellten Eltern im gleichen Zeitraum etwa 33.000 Anträge bei den beiden Krankenkassen, also rund 7.000 Anträge weniger.

Krankenkassen sehen verantwortungsvollen Umgang

Das Kinderkrankengeld war vor der Corona-Krise noch nicht dafür gedacht, Kinder aufgrund geschlossener Kitas und Schulen zu Hause zu betreuen. Die DAK spricht vor diesem Hintergrund von einem moderaten Anstieg und sieht darin einen Beleg, dass Eltern die aktuell 20 Kinderkrankengeld-Tage sparsam und verantwortungsvoll nutzen.

Meist sind es die Mütter

In rund 75 Prozent der Fälle seien es die Mütter, die die Anträge stellten. Die Barmer Krankenkasse berichtet allerdings, dass die Zahl der Väter, die Kinder zuhause betreuen, in der Pandemie gestiegen sei. So kamen Anfang vergangenen Jahres nur 1.500 Anträge von Vätern, im ersten Quartal 2021 waren es immerhin 2.000.

Wichtiges Instrument in der Krise

Angesichts der Tatsache, dass unklar ist, wann Schulen und Kitas wieder uneingeschränkt öffnen, sparen viele Eltern offenbar Kinderkrankentage auf und versuchen weiterhin den Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung. Bei der AOK Niedersachsen haben versicherte Mütter und Väter im ersten Quartal im Durchschnitt sechs Kinderkrankentage in Anspruch genommen. Vergangenes Jahr waren es im selben Zeitraum drei.

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Niedersachsen auf Platz drei

Die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet, dass die meisten Anträge bisher im Februar gestellt wurden. Insgesamt sind bei der TK im ersten Quartal aus Niedersachsen knapp 12.000 Anträge eingegangen Das Land belegt damit Platz drei hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern. "Das pandemiebedingte Kinderkrankengeld kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Eltern in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen", so Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Maximal 90 Tage pro Familie

Der Bund hatte das Kinderkrankengeld im Zuge der Pandemie zunächst von zehn auf 20 Tage aufgestockt, in Zukunft soll es sogar 30 Tage pro Elternteil und Kind geben. Als Obergrenze sind 90 Tage pro Familie festgelegt, diese Zahl gilt auch für Alleinerziehende. Eltern erhalten 90 Prozent ihres Nettolohns, maximal aber 113 Euro pro Tag. Das gilt nur, wenn die Kinder gesetzlich versichert sind.

DGB: Keine Angst, negativ aufzufallen

Der Gewerkschaftsbund DGB in Niedersachsen sieht in den aufgestockten Kinderkrankentagen ein gutes politisches Instrument. "Beschäftigte dürfen nicht davor zurückschrecken, ihr Recht in Anspruch zu nehmen“, so Lars Niggemeyer, DGB-Abteilungsleiter für Sozialpolitik. „Sie sollten keine Angst haben müssen, beim Arbeitgeber aufgrund von Kinderbetreuung negativ aufzufallen.“ Zudem fordert der DGB, die Altersgrenze für das Kinderkrankengeld von zwölf auf mindestens 14 Jahre anzuheben. Mit dem Home Schooling seien für Eltern oft enorme Belastungen verbunden, auch bei etwas älteren Kindern.

Unternehmer: Zu viel Bürokratie

Die Unternehmerverbände Niedersachsen wünschen sich dagegen andere Instrumente, um Eltern wirksam zu entlasten. Der Weg über das aufgestockte Kinderkrankengeld bedeute für die Unternehmen einen zusätzlichen Bürokratieaufwand, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2021 | 08:00 Uhr

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