Stand: 29.04.2019 12:45 Uhr

Kinder im Auto: Niedersachsen will Rauchverbot

Nach einer Hochrechnung des Deutschen Krebsforschungszentrums müssen bundesweit 800.000 Kinder und Jugendliche im Auto passiv rauchen.

Rauchen im Auto soll künftig nach dem Willen einiger Bundesländer nicht mehr erlaubt sein, wenn Kinder oder Schwangere mit im Fahrzeug sitzen. Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) befürwortet ein solches Rauchverbot, wie ein Ministeriumssprecher auf Anfrage von NDR.de sagte. Kinder dürften nicht zu Passivrauchern werden, sagte Reimann. Sie könnten sich dem schädlichen Qualm nicht entziehen und die Gefahr gesundheitlicher Schädigungen sei bei Kindern sehr hoch. "Deshalb sollte kein Erwachsener in einem Fahrzeug rauchen, in dem auch Kinder sitzen", so Reimann.

Bundesregierung ignoriert Aufruf der Gesundheitsminister

Über das Thema hatte der Bremer "Weser-Kurier" in seiner Montagausgabe berichtet. Die Gesundheitsminister der Länder hatten bereits im vergangenen Herbst die Bundesregierung aufgefordert, ein bundesweites Rauchverbot in Kraftfahrzeugen einzuführen, in denen Minderjährige und Schwangere mitfahren. Passiert ist daraufhin nichts. Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) sagte dem "Weser-Kurier" nun: "Wenn die Bundesregierung nicht bald handelt, bin ich dafür, dass die Länder einen neuen Anlauf nehmen." Nach Angaben der Zeitung ist ein Alleingang der Länder nicht möglich, weil für ein solches Verbot die Straßenverkehrsordnung und das Bundesnichtraucherschutzgesetz geändert werden müssten.

87 Prozent der Deutschen sind für Rauchverbot im Auto

Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtet, ist die Tabakrauchbelastung im Auto aufgrund des geringen Raumvolumens besonders hoch. Generell seien Kinder als Passivraucher noch stärker gefährdet als Erwachsene, weil sie öfter atmeten und ihr Entgiftungssystem noch nicht ausgereift sei. Zudem werden dem Passivrauchen bis zur Hälfte aller plötzlichen Säuglingstode zugeschrieben, wie das DKFZ in einer Broschüre zur Tabakprävention und Tabakkontrolle schreibt. Knapp ein Drittel der Raucher mit Kindern verzichtet nach Angaben des DKFZ nicht grundsätzlich auf das Rauchen im Auto. Laut einer Hochrechnung des DKFZ müssen bundesweit rund 800.000 Kinder und Jugendliche im Auto passiv rauchen. Insgesamt stimmten 87 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einem Rauchverbot im Pkw in Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen zu, so das Krebsforschungszentrum. Sogar 78 Prozent der Raucher seien dafür.

NRW will Bundesratsinitiative vorbereiten

Bereits im März hatten vier Landtagsfraktionen aus Nordrhein-Westfalen ihre Landesregierung dazu aufgefordert, über den Bundesrat einen Gesetzentwurf für ein solches Rauchverbot einzubringen. Daraufhin kündigte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an, eine entsprechende Bundesratsinitiative vorzubereiten. Von einer solchen ist dem niedersächsischen Gesundheitsministerium laut Sprecher allerdings noch nichts bekannt. In Österreich gilt bereits ein Rauchverbot in Autos, wenn Minderjährige mitfahren - wer dagegen verstößt, muss mit bis zu 1.000 Euro Bußgeld rechnen. Auch in Großbritannien, Italien, Griechenland und Frankreich ist das Rauchen im Beisein von Kindern und Jugendlichen im Auto verboten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2019 | 13:00 Uhr

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