Kahlschlag in Damme: Wäldchen mit 1.000 Bäumen zerstört

Stand: 11.12.2020 18:28 Uhr

So wie es aussieht, ist man in Damme bei Baumpflegearbeiten nicht sachgerecht vorgegangen. Ergebnis: Ein Wäldchen mit 1.000 Bäumen ist zumindest in Teilen vernichtet worden.

von Daniel Sprehe und Göran Ladewig

Spaziergänger müssen sich in Damme (Landkreis Vechta) an einen traurigen Anblick gewöhnen: Wo früher rund 1.000 Eichen, Birken und Kirschbäume standen, ragen nur noch hässliche Baumstümpfe aus dem Boden. Auf mehreren Grünstreifen zwischen den Äckern in Damme wuchsen hier auf rund zwei Kilometer Länge rund 1.000 Bäume. Bis im November Maschinen anrückten und sie radikal beschnitten.

Unsachgemäße Rückschnitte

Solche Rückschnitte sind eigentlich eine gewöhnliche Baumpflegemaßnahme, aber eher nicht in dieser Form. Die Bäume seien wie mit einer riesigen Zange "abgekniffen" worden, sagt Ludger Frye dem NDR in Niedersachsen. Frye ist Kreisvorsitzender beim Naturschutzbund NABU. Bei Büschen sei das durchaus üblich, bei den hier stehenden Baumarten aber keinesfalls. Diese könnten dann nicht neu anwachsen, so Frye. Außerdem seien neben der Baumkrone auch große Teile des Stamms abgetrennt worden, dies komme "einer Zerstörung gleich". Frye schätzt, dass mehr als die Hälfte der Bäume absterben wird.

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"Abkneifen ist Stand der Technik"

Auftraggeber der Rückschnitte ist das Unternehmen WPD Windpark Damme, das in der Nähe vor 20 Jahren den Windpark Borringhauser Moor angelegt hat. Daraufhin wurden die Grünstreifen zwischen den Äckern als ökologische Kompensationsflächen ausgewiesen und zahlreiche Bäume angepflanzt. Die Kritik an der Vorgehensweise bei den Arbeiten im November weist Geschäftsführer Berthold Klatte gegenüber NDR 1 Niedersachsen zurück: "Das Abkneifen ist mittlerweile Stand der Technik, entsprechend werden Rückschnitte beispielsweise auch an Straßen vorgenommen. Es sind uns zudem keine konkreten Vorgaben zum Rückschnitt gemacht worden. Der Rückschnitt im vergangenen Jahr, der von derselben Firma durchgeführt wurde, wurde nicht beanstandet."

"Manuell nachgeschnitten und entfernt"

Neben einer Straße stehen abgeholzte Bäume auf einem Feld.  Foto: Göran Theo Ladewig
Trauriger Anblick: Vom ursprünglichen kleinen Wäldchen ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Der Landkreis Vechta schätzt die Lage anders ein. Die Kompensationsflächen seien im Bebauungsplan ausgewiesen, weswegen der Windparkbetreiber abgestorbene Bäume und Sträucher nachpflanzen müsse. Das hat das Unternehmen nach Informationen von Landrat Herbert Winkel (CDU) bereits in Auftrag gegeben. Vom Windparkbetreiber selbst heißt es, dass die beanstandeten Bäume im Nachgang noch einmal "manuell nachgeschnitten" und abgestorbene Pflanzen "manuell entfernt" werden würden.

Wird ein Bußgeld fällig?

Dem NABU-Fachmann Ludger Frye reicht das nicht. Der ökologische Ausgleich müsse erhalten bleiben, so Frye. Der Betreiber müsse nicht nur neue Bäume pflanzen, sondern den Schaden auch auf zusätzlichen Flächen ausgleichen. Eine Idee, die Dammes Bürgermeister Gerd Muhle (CDU) begrüßt. Der Landkreis Vechta prüft derzeit, ob vielleicht sogar ein Bußgeld fällig wird, falls der Windparkbetreiber tatsächlich seine im Bebauungsplan festgelegten Pflichten verletzt haben sollte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 11.12.2020 | 17:00 Uhr

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