Stand: 19.01.2020 12:54 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

KZ-Gedenkstätten: Stabile Zahlen, mehr Provokation

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Mitarbeiter von KZ-Gedenkstätten wie Bergen-Belsen werden häufiger von Besuchern provoziert.

75 Jahre nach Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager melden Erinnerungsorte und Gedenkstätten in Niedersachsen stabile bis steigende Besucherzahlen. Unter den Gästen seien zunehmend einzelne Provokateure, die sich antisemitisch und geschichtsverklärend äußerten, hieß es von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Die Grenzen des Sagbaren hätten sich nach rechts verschoben, sagte Leiter Jens-Christian Wagner. Dazu habe auch die AfD beigetragen.

Umgang mit provokanten Fragen in Gedenkstätte

Hallo Niedersachsen -

In der Gedenkstätte Bergen-Belsen zweifeln manche Besucher die NS-Verbrechen an. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, im Studiogespräch.

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250.000 Besucher in Bergen-Belsen, 25.000 in Esterwegen

In die Gedenkstätte an das frühere Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen (Landkreis Celle) sind Wagner zufolge im vergangenen Jahr rund 250.000 Menschen gekommen, so wie in den Vorjahren. Gleichbleibend sind laut Landkreis Emsland mit jährlich rund 25.000 Menschen auch die Besucherzahlen in der Gedenkstätte Esterwegen. Darunter seien viele Schüler, die sich mit der Geschichte der von den Nationalsozialisten errichteten Emslandlager befassten.

Sandbostel zählt 12.000, Moringen 1.600 Gäste

In der NS-Gedenkstätte Lager Sandbostel (Landkreis Rotenburg) haben sich nach Angaben ihres Leiters Andreas Ehresmann die Zahlen 2019 auf hohem Niveau stabilisiert. Er gehe davon aus, dass es etwa 12.000 Besucherinnen und Besucher waren. In Sandbostel waren mehrere Hunderttausend Kriegsgefangene interniert. Noch kurz vor der Befreiung kamen rund 9.500 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme und seinen Außenlagern dorthin. Tausende Menschen starben an Hunger und Krankheiten. Von einem Besucherrekord für Moringen spricht Arne Droldner von der KZ-Gedenkstätte Moringen. Im vergangenen Jahr hätten 1.577 Personen an Führungen zu den Moringer Konzentrationslagern teilgenommen.

Neue Ausstellung in Moringen gut besucht

Wo neue Dokumentationszentren entstehen, steigt zumeist das Besucherinteresse. In der Gedenkstätte Wolfenbüttel zur Geschichte von Justiz und Strafvollzug im Nationalsozialismus informiert seit November eine Ausstellung über Hinrichtungen und Leiden der Häftlinge. Allein im ersten Monat wurden dort laut Gedenkstättenstiftung 1.000 Besucher gezählt. Die Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller bei Osnabrück erwarten mit Eröffnung einer neuen Dauerausstellung im April ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Zahlen.

Provokationen durch kleine, aber laute Minderheit

In Bergen-Belsen beobachten die Mitarbeiter Wagner zufolge seit einigen Jahren eine kleine Minderheit von Besuchern, die jedoch größer und lauter werde. Diese Menschen stellten einstudierte "Signalfragen", mit denen sie nicht kritisch nachhaken, sondern provozieren wollten. So werde behauptet, das Massensterben in dem Konzentrationslager im Jahr 1945 sei durch Versorgungsengpässe infolge von Luftangriffen verursacht worden. Suggeriert werde, damit seien die Alliierten schuld, erläuterte Wagner. Ziel sei es offenbar, vermeintlich zu beweisen, dass die Gedenkstätte Lügen im Sinne eines angeblichen "Schuldkultes" verbreite.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 07.01.2020 | 13:30 Uhr

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