KKH registriert Abrechnungsbetrügereien auf Rekordniveau

Stand: 14.06.2021 15:40 Uhr

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hat im vergangenen Jahr einen erneuten Anstieg bei Abrechnungsbetrügereien registriert. Bundesweit wurden 768 Verdachtsfälle gemeldet.

Das waren 61 Prozent mehr als 2019, wie die in Hannover ansässige Kasse am Montag mitteilte. Dazu zählten gepanschte Arzneimittel, die Abrechnung von Höchstsätzen für unqualifiziertes Personal, gefälschte Rezepte für Physio- und Ergotherapie oder Leistungen, die nur auf dem Papier existierten. Spitzenreiter im Betrugs-Ranking sind den Angaben zufolge Pflegedienste. Auf sie entfielen mehr als die Hälfte der Fälle (391). Es folgten Pflegeheime (194 Fälle) sowie Krankengymnasten und Physiotherapeuten (64). Damit bezogen sich 75 Prozent aller Hinweise im vergangenen Jahr auf Pflegeleistungen.

Ermittlerin: "Pflegesektor anfällig für Straftaten"

"Der Pflegebereich ist besonders anfällig für Straftaten", sagte KKH-Chefermittlerin Dina Michels. Die Kasse gab ein Beispiel: Ein Pflegedienst rechne das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen ab, obwohl dies täglich Angehörige erledigten. Die Pflegebedürftigen oder Angehörigen unterschrieben dennoch Leistungsnachweise für die Abrechnung - dafür lasse der Pflegedienst die Wohnungen der Pflegebedürftigen von eigenem Personal reinigen.

KKH beziffert eigenen Schaden auf halbe Million

"Betrugsdelikte im Gesundheitswesen sind alles andere als Bagatelldelikte", betonte Michels. Wer in diesem Bereich rechtswidrig handelt, bereichere sich an Geldern, die Versicherten für die Behandlung von Krankheiten und für die Vorsorge zustehen. Der Kranken- und Pflegeversicherung der KKH sei 2020 wegen bewusster Falschabrechnungen ein Schaden von einer halben Million Euro entstanden. Mit 179 Hinweisen auf Betrugsfälle belegt Nordrhein-Westfalen den ersten Platz unter den Bundesländern, gefolgt von Bayern (121) und Sachsen-Anhalt (101). Michels sagte, dass man von einer hohen Dunkelziffer ausgehe.

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425 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben 2020

Den höchsten Schaden verursachten demnach Betrugsfälle in Apotheken, an zweiter Stelle folgten ambulante Pflegedienste. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts stiegen die Gesundheitsausgaben allein 2020 auf etwa 425 Milliarden Euro, so die KKH. Diese Summe setze "bei einzelnen Leistungserbringern ein hohes Maß an Energie frei, gesetzwidrig Gelder einzustreichen". Die KKH hat mehr als 1,6 Millionen Versicherte. Damit ist sie eine der größten Krankenkassen in Deutschland.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.06.2021 | 16:00 Uhr

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