Belit Onay, Oberbürgermeister von Hannover, Yazid Shammout, palästinensische Gemeinde Hannover, Michael Fürst, jüdische Gemeinde Hannover, Recep Bilgen, Schura Niedersachsen, Landesverband der Muslime und Emine Oguz, türkischer Moscheeverband Ditib, sprechen mit Medienvertretern. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg

Initiative aus Hannover mahnt zum Ende der Gewalt in Israel

Stand: 18.05.2021 21:13 Uhr

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Israel haben sich Juden, Palästinenser und Muslime in Hannover zusammengetan und gemeinsam mit Oberbürgermeister Belit Onay einen Friedensappell verfasst.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Institutionen haben ein Ende der Gewalt angemahnt. Sie zeigten sich in ihrem Friedensappell "tieferschüttert" über das Geschehen im "Heiligen Land". "Die so massiv hervorbrechende Gewalt, die Heftigkeit der Aggressionen und die zerstörerischen Angriffe machen uns fassungslos", heißt es in der gemeinsame Erklärung weiter. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sprach von einem beispielhaften Schulterschluss und einem starken Signal aus Hannover für ein friedliches und respektvolles Miteinander.

Vertreter mahnen zu respektvollem Umgang

Auch äußerte sich die Initiative hinsichtlich der Demonstrationen in Deutschland. Die Verbände erinnerten daran, dass sich aus dem demokratischen Recht der Meinungsfreiheit die Pflicht zur Meinungsäußerung bei respektvollem Umgang miteinander ergebe. "Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Palästinenserhass haben keinen Platz in unserer Gesellschaft." Auch sei das Beleidigen oder Diffamieren von religiösen oder staatlichen Symbolen bis hin zu Fahnenverbrennungen oder gar Angriffen auf Synagogen, Kirchen oder Moscheen unvertretbar und würden nicht toleriert. Die Vertreter riefen den Staat dazu auf, in solchen Fällen alle rechtsstaatlichen Mittel einzusetzen und Vergehen mit ganzer Härte zu bestrafen.

Die Mitglieder der Initiative

Der Initiative gehören nach Angaben der Stadt Hannover der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hannover, Michael Fürst, der Vorsitzende der Palästinensischen Gemeinde in Hannover, Yazid Shammout, der Vorsitzende der Schura Niedersachsen, Landesverband der Muslime, Recep Bilgen, der türkische Moscheeverband Ditib sowie Oberbürgermeister Onay an.

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Zahlreiche Demonstrationen in Niedersachsen

Wegen der Eskalation der Gewalt zwischen Israel und militanten Palästinensern hatten am Wochenende Hunderte Menschen in vielen niedersächsischen Städten demonstriert. Mehrheitlich handelte es sich um Proteste gegen Israel. Nach Polizeiangaben verliefen die Kundgebungen weitgehend friedlich.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.05.2021 | 08:00 Uhr

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