Stand: 26.06.2020 16:13 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus

Wenige Menschen sitzen mit Abstand in der Marktkirche in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
In Niedersachsen und ganz Deutschland kehren immer mehr Menschen der Kirche den Rücken zu. (Themenbild)

Die Kirchen in Niedersachsen verlieren immer mehr Mitglieder. 14.155 Katholiken sind im vergangenen Jahr im Bereich der Bistümer Hildesheim und Osnabrück aus der Kirche ausgetreten - das sind fast 25 Prozent mehr als Vorjahr. Auch die Protestanten klagen über Mitgliederschwund. So verlor die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, die rund 80 Prozent der Mitglieder der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen stellt, durch Austritte 30.413 Mitglieder. Das sind 16,6 Prozent mehr als noch 2018. Damit spiegelt sich auch in Niedersachsen ein bundesweiter Trend wider.

Meister: "Kirche will ihrem Auftrag treu bleiben"

"Natürlich bedrücken mich diese Zahlen, aber sie dürfen uns nicht entmutigen", sagte Landesbischof Ralf Meister. Die Arbeit der Kirche sei wichtig und die Kirche wolle ihrem Auftrag treu bleiben. "Wir arbeiten nicht für uns. Wir arbeiten für diese Welt und für das Miteinander von Menschen in Frieden und in Gerechtigkeit. Und davon nimmt nicht eine Spur ab, wenn Menschen aus der Kirche austreten", sagte Meister. Bischof Thomas Adomeit von der zweitgrößten evangelischen Kirche in Niedersachsen, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, hält es für wichtig herauszufinden, was die Menschen zum Austritt aus der Kirche veranlasst.

Missbrauch: ein möglicher Grund für den Austritt

Der Generalvikar des Bistums Osnabrück, Theo Paul, sprach von einer sehr schmerzlichen Entwicklung. Viele Menschen seien vor allem durch den Missbrauchsskandal tief erschüttert. Durch vertrauensbildende Initiativen versuche die Kirche dem auf allen Ebenen entgegenzuwirken, so Paul. Auch der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sagte, dass die Kirche "durch die zahlreichen Fälle von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch das Vertrauen vieler Menschen zutiefst enttäuscht" habe. Für manche seien möglicherweise auch finanzielle Aspekte ausschlaggebend, manche haderten mit aus ihrer Sicht zu zögerlichen innerkirchlichen Reformen, mutmaßte Wilmer. Da niemand seine Gründe für einen Kirchenaustritt angeben müsse, könne man die Gründe nicht mit Sicherheit erklären.

Kirchen verlieren bundesweit halbe Millionen Mitglieder

Bundesweit traten 2019 mehr als eine halbe Millionen Menschen aus der Kirche aus. Der katholischen Kirche kehrten rund 272.800 Menschen den Rücken. Das waren 28 Prozent mehr als 2018. Bei den Protestanten traten etwa 270.000 Menschen aus der Kirche aus - und damit rund 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm kündigte an, dass die Kirche die Gründe in einer eigenen Studie erforschen werde. "Die Kirche will sich verändern und tut dies jetzt schon."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.06.2020 | 14:00 Uhr

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