Polizisten durchsuchen ein Gebäude in Düsseldorf als Teil einer Razzia gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung in drei Bundesländern. © dpa Foto: Roberto Pfeil

Illegale Millionentransfers: Razzia im Geldwäscher-Netzwerk

Stand: 06.10.2021 14:58 Uhr

Die Polizei ist in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen am Mittwoch gegen ein Netzwerk von mutmaßlichen Geldwäschern vorgegangen. Bei dem Großeinsatz ging es auch um Gewalt und Terrorismus.

67 mutmaßliche Mitglieder eines seit 2016 international agierenden Netzwerks stehen im Fokus der Ermittlungen, wie die Polizei Düsseldorf und die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS) in Nordrhein-Westfalen erklärten. Elf von ihnen wurden am Mittwoch festgenommen. Das Netzwerk stufen die Ermittler als kriminelle Vereinigung ein. Die Beschuldigten sollen mit illegalen Zahlungsdiensten Geld aus Straftaten gewaschen haben. Nach vorläufiger Schätzung beträgt das Transaktionsvolumen rund 140 Millionen Euro. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach angesichts des Polizei-Großeinsatzes von einem "Paukenschlag" gegen die Organisierte Kriminalität.

Luxusautos, Uhren und Gold beschlagnahmt

Peter Biesenbach CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, und Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, berichten der Presse über den Polizeieinsatz gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung in drei Bundesländern. © dpa-Bildfunk Foto: Roberto Pfeil
NRWs Innenminister Herbert Reul (re.) sprach von einem "verdammt dicken Ding".

In 25 Städten durchsuchten die Ermittler 81 Wohnungen, Büros und Banken. Dabei beschlagnahmten sie Beweismittel sowie Vermögenswerte im Wert von mehr als drei Millionen Euro - darunter Luxusautos, hochwertige Uhren, Gold und Schmuck. "Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht", sagte NRWs Innenminister Herbert Reul (CDU). "Das war ein verdammt dickes Ding." Mehr als 1.400 Einsatzkräfte waren an den Durchsuchungen beteiligt, darunter auch Spezialeinheiten, Staatsschützer, Finanzermittler und Steuerfahnder. In Niedersachsen und Bremen gab es den Angaben zufolge in Hannover und Bremerhaven Durchsuchungen. Der Schwerpunkt der Aktion lag in Nordrhein-Westfalen.

Terrorverdächtige und Gefährder unter den Festgenommenen

Die Ermittler werfen den Beschuldigten darüber hinaus vor, Gewalttaten wie bewaffneten Raub und Geiselnahme begangen zu haben, um ihre Forderungen einzutreiben. Einer der Beschuldigten wurde wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland in Untersuchungshaft genommen. Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte "relevante Personen" des islamistischen Spektrums. Außerdem sollen Mitglieder des Netzwerks zu Unrecht Sozialleistungen bezogen haben, sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Pflichten nicht nachgekommen sein und sich gegenseitig dabei geholfen haben, die Taten zu verschleiern.

Zufallsfund: 300.000 Euro im Turnbeutel

Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Zufallsfund der Polizei: Im Mai 2020 war die Polizei zu einem Unfall auf der A61 gefahren. Ein Auto war von der Fahrbahn abgekommen. Weil sich die Insassen verdächtig verhielten wurden die Beamten misstrauisch. Daraufhin entdeckten sie in dem Auto einen Turnbeutel mit 300.000 Euro Bargeld. Dies habe die Ermittlungen ins Rollen gebracht, bestätigte NRWs Justizminister Biesenbach.

Weitere Informationen
Spezialkräfte der Polizei stehen in einem Hauseingang eines Mehrfamilienhauses. © dpa-Bildfunk Foto: Christoph Petersen

Verdacht auf Terrorfinanzierung: Festnahmen bei NRW-Razzia

In mehreren Städten laufen seit heute Morgen Razzien gegen eine Bande mutmaßlicher Geldschleuser. Mehr dazu auf wdr.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 06.10.2021 | 13:30 Uhr

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