meppen © Marion Feldkamp Foto: Marion Feldkamp

Ideen in der Krise: Pop-up-Stores füllen leerstehende Läden

Stand: 31.10.2020 16:09 Uhr

Die Geschäfte in Niedersachsens Innenstädten leiden unter den Corona-Einschränkungen. Kunden kaufen inzwischen viel im Internet. Eine vorübergehende Lösung sind in einigen Städten jetzt Pop-up-Stores.

von Marion Feldkamp

Ein Beispiel: Die Stadt Meppen hat ein leer stehendes Ladenlokal am Marktplatz vorübergehend angemietet. Darin verkaufen fünf Frauen aus dem Ort jetzt ihre selbst kreierten Produkte. Das Angebot wird von den Kunden so gut angenommen, dass die "Zwischenzeit", so der Name des Ladens, nicht schon Mitte November schließt, wie zuerst geplant. Es gibt eine Verlängerung bis zur Weihnachtszeit. Christel Kasperczyk ist eine der Verkäuferinnen. Sie näht gemeinsam mit ihrer Tochter Babykleidung, Loopschals und - ganz aktuell - Mund-Nase-Schutzmasken. Ihr gefällt der neue Job im Laden. Sonst bietet sie ihre Waren im Internet oder auf Märkten an - aber die fielen im Moment allesamt aus, sagt sie.

Städte bezahlen zumeist die Miete

Die Idee für die "Zwischenzeit" entstand in Meppen bei den Wirtschaftsförderern und beim Stadtmarketing. Ansgar Limbeck, der sich normalerweise um die Organisation von Kirmes oder Weihnachtsmarkt kümmert, hat den Pop-up-Store mitinitiiert. Er ist der Ansicht, solche neuen Angebote seien vorübergehend Anziehungspunkte für Menschen, die in den Innenstädten auf Bummeltour gingen. Das Ladenlokal am Markt hat zum 1. Januar 2021 einen neuen Mieter. Entlang der Fußgängerzone hängen aber in mehreren verwaisten Geschäften Schilder mit der Aufschrift: "Zu vermieten". Diese Leerstände versuche man zu kaschieren. Dort sind die Fenster nicht mit Zeitungspapier zugeklebt, sondern es wird mit Fotomotiven für die Sehenswürdigkeiten in Meppen geworben.

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Chance für regionale, kleinere Händler

Auch in Osnabrück gibt es einen vorübergehend eingerichteten Laden mit dem Namen "Zwischenzeit 2.0". Ähnlich wie in Meppen sind dort handgemachte Produkte im Angebot: Kunstdrucke, Schmuck, Naturkosmetik, Wohnaccessoires oder Upcycling-Taschen. Bis zum Jahresende ist der Pop-up-Store noch am Start. Außerdem vermieten in der Stadt auch schon Eigentümer ihre Verkaufsflächen auf Zeit, um regionalen, kleineren Händlern eine Chance zu geben.

Verdens "Probierstadt" mit Läden auf Zeit

Probleme mit leerstehenden Shops haben aktuell viele Städte landesweit. In Verden hat die Kommunalverwaltung deshalb die "Probierstadt" ins Leben gerufen. Das sind gleich mehrere Geschäftsräume, die für einige Monate neue Betreiber haben. Die Miete dafür trägt die Stadt. Drei solcher Pop-up-Stores gibt es derzeit. Es könnten aber noch mehr werden. Die Bewerbungsphase für das Frühjahr läuft schon.

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Corona-Krise sorgt zusätzlich für Kreativität

Auch in Hannover oder Bad Pyrmont hat es solche von den Kommunen initiierten Pop-up-Stores bereits gegeben. Beim Städte- und Gemeindebund Niedersachsen heißt es, man begrüße solche Initiativen. Die Corona-Krise sorge bei den Städten offenbar für noch mehr Kreativität im Hinblick auf die Leerstände in den Citys, so ein Sprecher. Es sei zwar wünschenswert, wieder langfristige Mieter zu finden, doch punktuell dafür zu sorgen, dass es in den Fußgängerzonen attraktiv werde, sei der richtige Weg.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.11.2020 | 19:30 Uhr

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