Hospitalisierung: Niedersachsen setzt weiter auf eigene Daten

Stand: 21.11.2021 10:52 Uhr

Seit der letzten Ministerpräsidentenkonferenz ist die Hospitalisierungsinzidenz bundesweit der entscheidende Indikator für Corona-Maßnahmen. Die Erfassung der Daten sorgt aber weiter für Verwirrung.

In Niedersachsen beispielsweise liegt die Hospitalisierungsinzidenz laut dem Meldesystem des Landes schon länger deutlich über dem ersten Schwellenwert von 3. Die Konsequenz wäre gemäß den Beschlüssen eine flächendeckende Einführung von 2G. Anders sieht es allerdings aus, wenn man die Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Rate zieht. Die dort ermittelten Werte sind deutlich niedriger. Der Grenzwert wird noch nicht gerissen und eine Verschärfung der Corona-Regeln wäre dementsprechend aktuell nicht nötig. Was tun? Niedersachsen setzt auf die eigenen und tagesaktuellen Werte.

Bundesländer gehen unterschiedlich vor

Statt der erhofften bundesweiten Vergleichbarkeit droht nun ein Flickenteppich: Während Hamburg und Schleswig-Holstein auf die RKI-Daten setzen, wollen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen weiter ihre eigene Hospitalisierungsinzidenz erheben. "Der von der Landesregierung ausgewiesene Wert ist aus unserer Sicht besser geeignet, die Belastung des Gesundheitssystems und unserer Krankenhäuser tagesaktuell einzuschätzen", teilte der Sprecher des Niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministeriums, Oliver Grimm, mit. "Wir planen vor diesem Hintergrund auch weiterhin, die Maßnahmen der Landesregierung im Kampf gegen die Pandemie auf diesen Wert zu gründen."

Niedersachsen zählt alle Corona-Neuaufnahmen

Die von der Landesregierung ausgewiesene Hospitalisierungsinzidenz bildet laut Grimm alle Neuaufnahmen von Corona-Patientinnen und -Patienten in den niedersächsischen Krankenhäusern pro 100.000 Einwohnende innerhalb der letzten sieben Tage ab. Die niedersächsischen Krankenhäuser melden über das IVENA-System täglich die Anzahl der mit Corona neu aufgenommenen Personen. Dabei spielt es keine Rolle, wann sie sich mit dem Virus infiziert haben.

RKI schaut nur sieben Tage zurück

Das RKI legt bei seiner Berechnung ausschließlich die Zahl der Personen zugrunde, die sich in den vergangenen sieben Tage neu mit dem Coronavirus infiziert haben und die nach den Daten der Gesundheitsämter in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Wenn das positive Testergebnis älter als sieben Tage ist, wird es nicht für die Hospitalisierungsinzidenz berücksichtigt. Wie NDR Recherchen jüngst zeigten, hat sich dieses Problem in den vergangenen Monaten in einigen Bundesländern so sehr verschlimmert, dass Anstiege in der Hospitalisierungsinzidenz wegen des Meldeverzugs nicht aufgefallen sind.

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Wurde Meldeverzug bei Schwellenwerten berücksichtigt?

Das RKI hat bereits Anfang Oktober mitgeteilt, dass der Meldeverzug bei der Definition von Schwellenwerten eine Rolle spielen müsse. "Sie müssen die Unterschätzung bei den tagesaktuellen Werten berücksichtigen und dürfen sich nicht an den endgültig zu erwartenden Werten orientieren", hieß es damals. Inwieweit das bei der Ministerpräsidentenkonferenz in die neuen, strengeren Schwellenwerte eingeflossen ist, ist unklar. Sollte Niedersachsen wie geplant weiter auf die eigenen, realitätsnäheren Werte setzen, könnte dies dazu führen, dass deutlich schneller härtere Corona-Maßnahmen greifen würden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.11.2021 | 12:00 Uhr

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