Homeoffice-Ende: Niedersachsens Firmen bleiben vorsichtig

Stand: 29.06.2021 16:02 Uhr

Am Mittwoch läuft auch in Niedersachsen die im Rahmen der Bundesnotbremse verordnete Homeoffice-Pflicht aus. Laut einer Umfrage will die Hälfte der Mitarbeitenden weiter von daheim aus arbeiten.

Volkswagen hat bereits in der vergangenen Woche angekündigt, seinen Mitarbeitenden ab dem 1. Juli weiterhin die Möglichkeit zur Heimarbeit zu geben. Angesichts der andauernden Corona-Pandemie sieht das bei vielen Firmen und Verbänden ähnlich aus. Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zum Beispiel empfiehlt laut einer Sprecherin den Angestellten auch weiterhin, "soweit möglich, prioritär im Homeoffice zu arbeiten." Diese Regelung gelte erst einmal bis zum 31. August dieses Jahres - bis alle, die möchten, vollständig geimpft seien.

Rossmann: Weiter möglich, 50 Prozent mobil zu arbeiten

Das Drogerie-Unternehmen Rossmann will ab Donnerstag in seiner Burgwedeler Zentrale zu einer Raumbelegung von bis zu 75 Prozent zurückkehren. "Gleichzeitig haben unsere Beschäftigten aber weiterhin die Möglichkeit, bis zu 50 Prozent mobil zu arbeiten", so eine Sprecherin. Bis Ende Juni haben demnach mehr als 80 Prozent der Angestellten von zu Hause aus gearbeitet. Primär sollen nun, noch während der Pandemie, erst einmal Auszubildende und Kolleginnen und Kollegen in Einarbeitung oder mit schlechter Internetverbindung möglichst häufig ihren Arbeitsplatz aufsuchen. Wer von Schul- oder Kita-Schließungen betroffen sei oder zu einer Risikogruppe gehöre, dem werde empfohlen, im Homeoffice zu bleiben.

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Staatsoper: "Klare Tendenz zur Präsenzarbeit"

Auch die Staatsoper Hannover ermöglicht ihren Mitarbeitenden nach Ende der Bundes-Regelung das Arbeiten vom heimischen Schreibtisch. Doch es gebe in den meisten Bereichen eine "klare Tendenz zur Rückkehr in die Präsenzarbeit", sagt eine Sprecherin. Dennoch soll nun herausgefunden werden, wie die Bedürfnisse zu Homeoffice und Präsenz in den einzelnen Arbeitsbereichen aussehen. Damit man zur neuen Spielzeit ab dem 1. September neu aufgestellt sei.

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Knapp die Hälfte der Niedersachsen will im Homeoffice bleiben

Dass durch die Homeoffice-Pflicht Bewegung in die Struktur vieler Unternehmen gekommen ist, liegt auf der Hand. Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit wollen 41 Prozent der 1.000 befragten Erwerbstätigen künftig die Hälfte der Zeit von zu Hause aus arbeiten. Zehn Prozent wollen gar nicht mehr zurück ins Büro. "Das Homeoffice ist mittlerweile bei den Arbeitnehmern fest etabliert. Sie haben gemerkt, wie gut es sich in den eigenen vier Wänden arbeiten lässt", sagte DAK-Landeschef Dirk Vennekold.

Sechs von zehn empfinden sich daheim produktiver

Vor der Corona-Pandemie waren der Befragung zufolge in Niedersachsen nur elf Prozent der Beschäftigten mehrmals pro Woche im Homeoffice. In der ersten Corona-Welle verdreifachte sich ihr Anteil: Im April und Mai 2020 waren 39 Prozent regelmäßig von zu Hause aus tätig. Vor der dritten Pandemie-Welle änderte sich dann trotz Homeoffice-Pflicht kaum noch etwas daran. Die große Mehrheit - 82 Prozent der Befragten - geht davon aus, dass sich im Homeoffice dafür geeignete Aufgaben genauso gut erledigen lassen wie am normalen Arbeitsplatz im Unternehmen. Rund sechs von zehn empfinden sich sogar als produktiver und nehmen die Arbeit angenehmer wahr als im Büro.

Betriebsvereinbarung in Planung

Mit Blick auf die weitere Zukunft wolle man bei der Staatsoper in Hannover die positiven Erfahrungen aus der Homeoffice-Zeit für die Organisation der Zusammenarbeit nutzen. Die technischen Möglichkeiten seien geschaffen worden, entsprechend werde man den Kolleginnen und Kollegen, "sicherlich auch weiterhin ermöglichen, mobil zu arbeiten". Wie? Das sei noch abzustimmen, so die Sprecherin. Eine Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten sei in Planung.

Fokus auf New Work bei Ottobock

Auch der DRK Landesverband bewertet derzeit gemeinsam mit dem Betriebsrat neue Regelungen ab dem 1. September, wie die Sprecherin mitteilte. Dort gehe man von einer weitgehenden Flexibilisierung aus. Beim Duderstädter Prothesenhersteller Ottobock ist durch Corona das Thema New Work noch stärker in den Fokus gerückt. Nach Unternehmens-Angaben arbeiten von den 2.000 Mitarbeitenden aktuell rund zwei Drittel überwiegend im Homeoffice. "Bei Ottobock gibt es derzeit mehrere nationale sowie internationale Projekte, in denen wir ganzheitliche Ansätze zum mobilen und selbstbestimmten Arbeiten verfolgen," heißt es aus dem Eichsfeld.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.07.2021 | 08:00 Uhr

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