Stand: 14.02.2019 12:15 Uhr

Defekte Schrittmacher: 230 Betroffene in Göttingen

von Holger Bock
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Die betroffenen Schrittmacher könnten Herzimpulse falsch interpretieren. Ein Software-Update soll das Problem beheben.

Die Nachricht kam für die betreffenden Patienten in den vergangenen Tagen mit der Post. Ihr Herzschrittmacher macht Probleme, deshalb haben allein die fünf Krankenhäuser des Klinikums der Region Hannover fast 600 Patienten angeschrieben und zur Kontrolle einbestellt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch Herzpatienten der Universitätsmedizin Göttingen möglicherweise defekte Herzschrittmacher tragen. Die Klinik habe 230 Patienten identifiziert, sagte Kliniksprecher Stefan Weller NDR 1 Niedersachsen. Unter bestimmten Umständen droht ein Funktionsverlust des Schrittmachers. Nach Ansicht von Experten dürfte in den allermeisten Fällen wohl schon ein Software-Update helfen.

Update in der zweiten Jahreshälfte

Das Update soll drahtlos erfolgen, dazu sei keine Operation nötig. Im unwahrscheinlichen Fall, dass das Gerät doch ausgewechselt werden müsse, sei das eine vergleichsweise leichte OP, weil der Schrittmacher genug Abstand zum Herzen habe. Die eigentlichen Impulse für das Herz würden über Elektroden an den Herzmuskel abgegeben und diese Elektroden sind nicht vom Rückruf betroffen. Das Update soll nach Angaben des Herstellers in der zweiten Jahreshälfte vorgenommen werden. Vorher soll überprüft werden, wem das Gerät überhaupt Probleme bereiten könnte. Mediziner vermuten laut NDR 1 Niedersachsen, dass es rund fünf Prozent der Patienten betreffe.

Kardiologen: Risiken sind beherrschbar

Wer dazu gehört, wird jedenfalls auf das Update warten müssen. Da aber Herzrhythmus-Störungen oder eine Herzschwäche so komplexe Ursachen haben könne, lasse sich nicht pauschal sagen, was die Ärzte in jedem Einzelfall raten werden. Die Kardiologen sind sich demnach aber sicher, dass die Risiken beherrschbar sind. Nach Angaben des Herstellers Medtronic sind die Herzschrittmacher Adapta, Versa, Sensia, Relia, Attesta, Sphera, und Vitatron betroffen.

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Hallo Niedersachsen | 13.02.2019 | 19:30 Uhr

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