Stand: 11.01.2019 15:12 Uhr

Hebammen an die Uni: Mehr Geld und Nachwuchs?

von Claudia Wohlsperger, NDR Info

Familien oder Paare, die ein Kind erwarten, müssen sich extrem früh um eine Hebamme bemühen - von ihnen gibt es nämlich nicht genug. Zum Jahresende mussten in Niedersachsen sogar an zwei Kliniken die Geburtsstationen ganz schließen, weil nicht mehr genügend Hebammen dort arbeiten wollen. Der Mangel beschäftigt nun einen neuen Runden Tisch zur Hebammenversorgung. Dabei geht es auch darum, die Ausbildung von Hebammenschulen an die Unis zu bringen.

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Viele Kinder - aber nur wenig Hebammen: In dem Berufszweig gibt es einen großen Mangel.

"Die Hebammen wissen um die Arbeitsbedingungen, sie wissen um die Mehrarbeit. Sie wissen, dass sie die Frauen nicht so betreuen können, wie sie es vielleicht gerne möchten", sagt Susanne Huhndorf vom Hebammen-Verband Niedersachsen. "Und die Kollegen arbeiten glaube ich wirklich am Limit."

Nicht nur bessere Bezahlung gefordert

In den Kliniken in Hannover etwa könnten Planstellen nicht nachbesetzt werden, so Huhndorf. Die Hebammenschulen bilden mehr aus, um die Lücken im Land zu schließen. Doch das allein reicht offenbar nicht. Der Beruf müsse attraktiver werden und die Geburtshelferinnen besser bezahlt, fordert der Landes-Hebammenverband. Ein Bachelor-Abschluss könnte dabei helfen. In den meisten anderen EU-Ländern ist das Standard für Hebammen. Dadurch hätten Bewerberinnen von dort bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt - so die Hebammenwissenschaftlerin Lea Beckmann aus Buxtehude.

Arbeiten auf Augenhöhe mit Akademikern

Vergleichbare Abschlüsse zu haben: Das ist für Beckmann nur ein Vorteil des Studiums. "Der andere ist, dass wir interdisziplinär arbeiten, mit Menschen, die akademisch ausgebildet sind, mit Medizinern und Sozialarbeitern, und dass wir auf Augenhöhe arbeiten müssen", sagt Beckmann.

In Niedersachsen gibt es so eine Studienmöglichkeit bislang in Osnabrück und in Buxtehude - aber nur für Hebammen, die an bestimmten Hebammenschulen einen Ausbildungsplatz haben. Und die sind nicht unbedingt in Niedersachsen. Das Bundesgesundheitsministerium will die Ausbildung aber reformieren und ein Studium ermöglichen. Ein entsprechender Entwurf werde derzeit geschrieben. Diese Reform setzt eine EU-Richtlinie um. Die Deadline dafür ist offiziell der 18. Januar 2020.

Ist der Uni-Abschluss eine zu hohe Hürde?

Dass das Studium eine Hürde sein könnte und dadurch am Ende sogar weniger junge Frauen den Beruf wählen: Diese Sorge teilt die Wissenschaftlerin Beckmann nicht. "Mit dem Wissen, dass der Beruf akademisch wird, ist die Bewerberinnenlage wieder besser geworden. Also ich glaube, dass die Akademisierung den Beruf wieder attraktiver macht", sagt Beckmann.

80 Prozent der Bewerberinnen hätten ohnehin Abitur. Mit den bisherigen Studiengängen ist auch das niedersächsische Gesundheitsministerium zufrieden. Beim Runden Tisch soll nun erörtert werden, wie die Ausbildung künftig aussehen könnte. Der Landes-Hebammenverband fordert insgesamt vier Standorte für ein Studium.

Ministerium: Ausbildung ausweiten

Konkrete Pläne gebe es dazu jedoch noch nicht, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. "Man wird sich anschauen müssen, was die Bundesebene dazu beschließt und muss sich dann ansehen, wie das in Niedersachsen weiterentwickelt werden kann", sagt Sprecherin Anna Anding. Grundsätzlich solle die Ausbildung aber ausgeweitet werden.

Susanne Huhndorf - die Hebamme aus Hannover - weiß um die angespannte Lage. Trotzdem könne sie sich im Moment keine andere Arbeit vorstellen, als Geburten zu begleiten und für Mutter und Kind da zu sein: "Ich finde, dass es das höchste Gut ist, das wir haben. Und das irgendwie zu begleiten und zu beschützen finde ich unglaublich schön."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 11.01.2019 | 06:38 Uhr

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