VIDEO: Wie ein Pflegeheim zur Corona-Falle wurde (44 Min)

Hanns-Lilje-Heim: Ermittlungen gegen Leitung werden beendet

Stand: 23.12.2020 18:42 Uhr

Nach fast neun Monaten will die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Ermittlungen gegen den Verantwortlichen des Hanns-Lilje-Heims in Wolfsburg einstellen. Das berichtet unter anderem der NDR.

Das diakonische Alten- und Pflegeheim war wegen eines massiven Corona-Ausbruchs mit 47 Todesfällen im Frühjahr dieses Jahres international in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft habe keine Hinweise für eine fahrlässige Tötung durch den Heimbetreiber gefunden, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch. Der Rechercheverbund beruft sich auf Justizkreise und auf Angehörige, die sich an die Behörde gewandt hatten. Ein strafbares Fehlverhalten habe nicht festgestellt werden können. Der Rechtsanwalt und die Angehörigen, die die Strafanzeige gegen die Diakonie gestellt hatten, haben nun zwei Wochen Zeit, einer Einstellung zu widersprechen.

Katastrophale Hygienebedingungen?

Von den etwa 160 meist hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims, das auf demenzkranke Menschen spezialisiert ist, waren zu Beginn der ersten Corona-Welle in Deutschland 112 an Corona erkrankt. Auch mehr als 40 Pflegekräfte hatten sich infiziert. Das Hanns-Lilje-Heim gehörte damit zu den bundesweit am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Einrichtungen für alte Menschen. Ein Wolfsburger Rechtsanwalt hatte daraufhin Strafanzeige erstattet und sie mit Hinweisen auf angeblich katastrophale Hygiene- und Arbeitsbedingungen in dem Heim begründet.

Sämtliche Krankenakten ausgewertet

Das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung richtete sich gegen den Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Wolfsburg, die Trägerin des Heims ist. Im Raum stand der Vorwurf, dass bei der Behandlung der Corona-Fälle im Heim rechtswidrig gehandelt wurde - auch durch Unterlassen. Die Staatsanwaltschaft befragte daraufhin Angehörige und Pflegekräfte und wertete sämtliche Krankenakten aus.

Belegschaft des Heims zeigt sich erleichtert

NDR und WDR hatten eine Dokumentation über das Hanns-Lilje-Heim gedreht, die im Oktober in der ARD gesendet wurde. Darin schildern Pflegekräfte, dass die Vorwürfe für das Heim sehr stigmatisierend gewirkt hätten. Laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zeigten sich Mitarbeitende des Heims angesichts einer möglichen Einstellung des Strafverfahrens sehr erleichtert. Das Heim sei zu Unrecht an den Pranger gestellt worden. Es sei gut, diesen Druck nicht ins neue Jahr mitnehmen zu müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.12.2020 | 18:00 Uhr

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