Stand: 13.11.2019 15:25 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Härtere Strafen für Gaffer am Unfallort

Bild vergrößern
Wer Unfallopfer fotografiert, muss künftig sogar mit einer Haftstrafe rechnen.

Fotos von Unfall-Toten sowie heimliche Aufnahmen unter Röcke und ins Dekolleté werden künftig härter bestraft. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen. Todesopfer zu filmen oder zu fotografieren soll künftig mit Geldbußen oder sogar Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren geahndet werden. Bisher konnten sich Betroffene gegen solch entwürdigende Aufnahmen nur zivilrechtlich wehren - ein strafrechtlicher Schutz gegen bloßstellende Fotos Verunglückter bestand nicht, wenn das Opfer verstorben ist. Außerdem soll nun bereits der Versuch bestraft werden, Bilder von Unfalltoten zu machen.

Havliza: "Endlich wird dieser Vorschlag aus Niedersachsen aufgegriffen"

Initiiert hatten den Gesetzentwurf die Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. "Endlich wird dieser Vorschlag aus Niedersachsen in Berlin aufgegriffen", sagte Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) am Mittwoch. "Künftig ist es nicht mehr nur geschmacklos, wenn Schaulustige verstorbene Unfallopfer mit ihren Smartphones fotografieren. Es wird auch strafbar sein." Es sei "ein Unding", wenn diese Aufnahmen anschließend auch noch über soziale Netzwerke verbreitet würden und die Täter für diese Entwürdigung virtuellen Beifall erhielten.

Schon 2017 war Niedersachsen Initiator

Schaulustigen, die Rettungsgassen versperren oder am Unfallort umherlaufen und damit Rettungskräfte behindern, drohte bisher eine Strafe von bis zu einem Jahr Haft. Das Gesetz dazu war im Mai 2017 auf Initiative Niedersachsens in Kraft getreten. Zudem wird das Fotografieren beim Gaffen etwa aus dem Auto heraus auch ohne Behinderung von Rettungskräften seit Ende 2017 mit Geldbußen von bis zu 1.000 Euro bestraft, auch kann das Handy eingezogen werden.

Weitere Informationen

Unfälle: Immer mehr Gaffer in Niedersachsen

29.07.2019 08:00 Uhr

Wenn ein Unfall passiert, sind sie meist nicht weit - im schlimmsten Fall behindern sie Einsatzkräfte bei der Arbeit: Die Zahl von Gaffer-Vorfällen steigt in Niedersachsen. mehr

NDR Info

Gaffer: Strafe für Fotos toter Unfallopfer

02.03.2018 15:00 Uhr
NDR Info

Auf Initiative Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns soll künftig bestraft werden, wer Unfalltote fotografiert. Bislang galt dieser Persönlichkeitsschutz nur für lebende Personen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:49
Hallo Niedersachsen
03:54
Hallo Niedersachsen
02:31
Hallo Niedersachsen