Stand: 04.01.2019 16:44 Uhr

Hackerangriff auf 53 Politiker in Niedersachsen

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Auch Ministerpräsident Stephan Weil (re.) und Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) sind von dem Hackerangriff betroffen.

Von der massenhaften Veröffentlichung teilweise sensibler Daten im Internet sind auch mehrere niedersächsische Minister und Landtagsabgeordnete betroffen. So seien Privatadressen und alte Telefonnummern von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Umweltminister Olaf Lies (SPD), Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) via Twitter öffentlich gemacht worden, teilten Ministerien und Staatskanzlei am Freitag in Hannover mit. "Das ist sehr ärgerlich, aber noch nicht besonders problematisch", sagte ein Sprecher der Staatskanzlei.

Alte Adressen und private Fotos

Wie die Landtagsverwaltung und das Innenministerium am Freitagnachmittag mitteilten, sind nach derzeitigem Stand mindestens 53 Landtagsabgeordnete und sechs Mitglieder der Landesregierung von der Hackerattacke betroffen. Ziel des Angriffs seien "insbesondere Mitglieder der SPD-Fraktion" gewesen, heißt es in der Stellungnahme des Landtags. Überwiegend seien zum Teil überholte Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen veröffentlicht worden. In einzelnen Fällen habe man aber wohl auch private Fotos, Videos oder Chatverläufe aus sozialen Netzwerken offengelegt.

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Hackerangriff auf Hunderte Politiker

Hacker haben massenweise Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern im Internet veröffentlicht. Offenbar waren auch private Chats und Kreditkarteninfos einsehbar. Mehr bei tagesschau.de. extern

Accounts von Pistorius nicht betroffen

Innenminister Boris Pistorius versicherte am Freitag, dass die zu seiner Person veröffentlichten Informationen nicht aus seinem privaten oder dienstlichen E-Mail-Account oder seinem Internetzugang stammen. "Vielmehr wurden lediglich wenige, teils auch nicht mehr aktuelle Daten von mir veröffentlicht, die sich offenbar in den Kontaktdatenbanken der gehackten Personen befanden", unterstrich der SPD-Politiker.

AfD-Fraktion blieb wohl verschont

Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD), ebenfalls Betroffene des Hackerangriffs, äußerte sich im NDR zuversichtlich, dass die Cyberattacke keine Auswirkungen auf den Parlamentsbetrieb haben werde. Aus dem Innenministerium hieß es am Freitag dazu, dass es keinerlei Anzeichen dafür gebe, dass "Daten aus dem Landesnetz abgeflossen sind". Andretta sagte, Opfer des Datendiebstahls seien ihres Wissens nach alle Fraktionen des aktuellen Landtages mit Ausnahme der AfD geworden. Dies könne damit zusammenhängen, dass vorwiegend ältere Daten entwendet wurden, so Andretta. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies nannte es am Freitag "erschreckend", dass Inhalte der Privatsphäre in die Öffentlichkeit getragen werden.

Programmiercode mit Matrix, Computer und abstraktem technischen Hintergrund in blau. © picture alliance / Klaus Ohlenschläger Foto: Klaus Ohlenschläger

Cyberattacke: Daten von Politikern veröffentlicht

NDR Info -

Massenweise Daten und Dokumente von Hunderten Politikern auf Bundes- und Landesebene wurden im Internet veröffentlicht. Betroffen sind alle Parteien bis auf die AfD.

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Auch Merkel unter den Betroffenen

Das rbb-Inforadio hatte am Donnerstag berichtet, dass große Mengen persönlicher Daten und Dokumente von Politikern und Prominenten über Twitter veröffentlicht worden seien. Betroffen seien auch auf Bundesebene mit Ausnahme der AfD alle Parteien des aktuellen Bundestages. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollen eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe von der und an die Kanzlerin aufgetaucht seien. Wer dafür verantwortlich ist und ob alle Daten authentisch sind, war zunächst unklar.

Künstler ebenfalls Ziel der Cyberattacke

Wie umfangreich der Datenhack ist, zeigen Veröffentlichungen von Grünen-Chef Robert Habeck, dem SPD-Landeschef von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Laut "Bild"-Zeitung sind Korrespondenzen von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-Parteichef Sigmar Gabriel ebenfalls einsehbar. Betroffen sind neben Politikern offensichtlich auch Journalisten und Künstler. Vom Satiriker Jan Böhmermann wurden angeblich Familienfotos, eine Kontonummer und die angebliche Privatadresse ins Netz gestellt. Der Twitter-Account, über den Links zu den persönlichen Daten und Dokumenten veröffentlicht wurden, ist mittlerweile gelöscht.

Weitere Informationen

Cyberangriff trifft norddeutsche Spitzenpolitiker

Von dem massiven Hackerangriff sind auch viele Politiker, Künstler und Journalisten aus dem Norden betroffen. So wurden private Daten von Niedersachsens Ministerpräsident Weil und Grünen-Chef Habeck veröffentlicht. (04.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.01.2019 | 12:00 Uhr

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