Stand: 16.11.2018 13:00 Uhr

Gift im Futter: Noch 23 Geflügelhöfe gesperrt

Nach der Sperrung von 27 Geflügelmastbetrieben in Niedersachsen wegen krebserregender Stoffe im Futter sind inzwischen die ersten vier Betriebe wieder freigegeben worden. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat am Donnerstag den Landtag über das Thema informiert. Nach derzeitigem Stand seien rund 290 Tonnen des betroffenen Futters nach Niedersachsen geliefert und bereits verfüttert worden, so die Ministerin. Ob das Futter gänzlich verunreinigt war, ist unklar. Insgesamt seien neun niedersächsische Geflügelbetriebe mit dem Futter beliefert worden, in dem die krebserregende Chlorverbindung nicht dioxin-ähnlicher polychlorierter Biphenyle (ndl-PCB) gefunden worden war. Einer dieser Betriebe belieferte 18 Legehennen-Höfe mit Zuchttieren. Unklar ist, ob vor den Sperren belastete Tiere oder Eier in den Handel gelangt sind. Das belastete Futter stammt vom Futtermittelhersteller Agravis aus Minden.

Laborant schaut auf chemische Substanz

Gift im Futter: Geflügelhöfe gesperrt

Hallo Niedersachsen -

Wegen verseuchten Futters sind in Niedersachsen 27 Geflügelbetriebe vorübergehend geschlossen worden. Offen ist, ob belastete Tiere oder Eier in den Handel gelangten.

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Uralter Anstrich in Verladezellen abgesplittert

Agravis bestätigte am Donnerstag, dass mehrere 100 Tonnen des belasteten Geflügelfutters in Umlauf gekommen sind. Am Standort Minden sei der giftige Stoff in das Futter geraten. Nach Angaben des Landeskontrollzentrums in Nordrhein-Westfalen sind die Anstriche in den dortigen Verladezellen uralt. Die Farbe sei abgeblättert wie an einem alten Gartenzaun, sagte eine Sprecherin NDR 1 Niedersachsen. PCB dürfe seit den 80er-Jahren nicht mehr hergestellt und verwendet werden. Bereits in kleinsten Mengen sei der Stoff hochgiftig, so das Landeskontrollzentrum. Die betroffenen Chargen könnten teilweise zehnmal mehr ndl-PCB enthalten als es der seit 2012 gültige Höchstgehalt erlaube. Agravis teilte mit, Maßnahmen ergriffen zu haben, um einen ähnlichen Vorfall in Zukunft zu vermeiden. Eine schnellstmögliche Sanierung der betroffenen Verladezellen werde vorbereitet. Aktuell würden diese nicht genutzt und von einem Gutachter untersucht.

Geflügelwirtschaft: "Das Kontrollsystem hat funktioniert"

Der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, zeigte sich erleichtert darüber, dass zwei Masthänchenbetriebe aus dem Landkreis Osnabrück und zwei aus der Grafschaft Bentheim schnell wieder freigegeben werden konnten. Dort lagen die ndl-PCB-Gehalte nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums unterhalb des festgelegten Höchstgehalts. Die Proben aus den Betrieben hätten aufgrund veränderter Gesetze schnell ausgewertet werden können, so Ripke. Er sei dankbar, dass die Betriebe, in denen das Futter verfüttert worden war, schnell gefunden und benannt werden konnten. "Das Kontrollsystem hat funktioniert", so Ripke.

Bei 4.000 Puten ist der Höchstwert überschritten

Bei einem Betrieb mit 4.000 Puten aus dem Landkreis Nienburg ergaben die Untersuchungen, dass der erlaubte Höchstwert überschritten wurde. Die Tiere dürfen deshalb nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden. Für die weiteren Betriebe liegen noch keine Untersuchungsergebnisse vor. Ripke rechnet damit, dass sie bis Anfang kommender Woche vorliegen. Einer der Betriebe züchtet Junghennen, die an Legehennenbetriebe in den Landkreisen Ammerland, Aurich, Diepholz, Emsland, Leer, Nienburg, Oldenburg, Rotenburg und Wolfenbüttel sowie in die Region Hannover geliefert wurden. Diese Höfe sind ebenfalls gesperrt.

Landkreise, in denen Geflügelbetriebe gesperrt wurden

  • Ammerland
  • Aurich
  • Diepholz
  • Emsland
  • Grafschaft Bentheim
  • Leer
  • Nienburg (Weser)
  • Oldenburg
  • Osnabrück
  • Region Hannover
  • Rotenburg (Wümme)
  • Wolfenbüttel
  • Zweckverband Jade-Weser

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Grüne: "Einer der größten Futtermittelskandale der letzten Jahre"

Der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer bezeichnete den Vorfall am Donnerstag als "einen der größten, überregionalen Futtermittelskandale der letzten Jahre". Der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe forderte eine "schonungslose Aufklärung". SPD, CDU und AfD verteidigten unterdessen die Landwirtschaftsministerin. Sie habe zeitnah und umfassend unterrichtet und gehandelt, so der Tenor in den drei Fraktionen.

Ministerium wusste seit Anfang November Bescheid

Neben Höfen in Niedersachsen sind auch Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit dem belasteten Futtermittel oder mit möglicherweise belasteten Junghennen aus Niedersachsen beliefert worden. In Niedersachsen wusste das Landwirtschaftsministerium bereits seit Anfang November von dem belasteten Futtermittel. Man habe aber erste Untersuchungsergebnisse abwarten wollen, bevor man die Öffentlichkeit unterrichte, sagte eine Sprecherin NDR 1 Niedersachsen.

 


16.11.2018 12:59 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikel ist uns ein Fehler unterlaufen. Dort hieß es, das belastete Futter stammte vom Futtermittelhersteller Agravis aus Münster. Richtig ist aber, dass das belastete Futter von Agravis aus Minden geliefert wurde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.11.2018 | 16:00 Uhr

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