Stand: 16.04.2018 14:31 Uhr

Geflüchtete nutzen Krisentelefon gegen Zwangsheirat

Das Krisentelefon gegen Zwangsheirat ist nach wie vor gefragt. Verstärkt nutzen Geflüchtete das Angebot.

Mädchen und Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet werden sollen, können sich in Niedersachsen an das Krisentelefon gegen Zwangsheirat wenden. Das Angebot wird mittlerweile auch verstärkt von Geflüchteten genutzt: Wie das Sozialministerium mitteilte, meldeten sich im vergangenen Jahr insgesamt 152 Ratsuchende - rund ein Drittel davon hatte eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, 34 waren deutsche Staatsbürger. Auch zehn Männer nutzten das Angebot. Der Bedarf sei anhaltend hoch, heißt es. Das Krisentelefon wird vom Verein Kargah in Hannover betreut, finanziert wird es vom Sozialministerium.

Auch Minderjährige nutzen Angebot

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Platzmangel: Frauenhäuser in Not

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Die Frauenhäuser in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr mehr als 2.600 Mal gefährdete Frauen abweisen müssen. Es fehlen Hunderte Plätze. Video (06:11 min)

Die hohe Zahl der Anrufe zeige, dass diese Form der Menschenrechtsverletzung noch immer sehr verbreitet sei, sagte Sozialministerin Carola Reimann (SPD). Am häufigsten seien zuletzt 18- bis 21-Jährige beraten worden. Die zweitgrößte Gruppe machten Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren aus. Kinderehen sind seit Sommer 2017 verboten.

Vor der Flucht verheiratet

Die betroffenen Frauen und Mädchen kämen aus Familien mit strikten patriarchalischen Strukturen, so eine Beraterin des Krisentelefons gegen Zwangsheirat. Eltern oder andere Angehörige verfolgten dabei unterschiedliche Motive. Es gehe ihnen zum Beispiel darum, die Traditionen zu schützen oder das Mädchen an einen Bräutigam aus wohlhabender Familie zu vermitteln. Teilweise seien Mädchen aber auch zu ihrem eigenen Schutz verheiratet worden, bevor sie ohne ihre Eltern nach Deutschland flüchteten, so die Beraterin.

Weitere Informationen

Volle Frauenhäuser: Reimann für Rechtsanspruch

Mehr als 2.600 Frauen wurden im vergangenen Jahr wegen Platzmangels von Frauenhäusern abgewiesen. Sozialministerin Reimann will nun die Kommunen stärker in die Pflicht nehmen. (23.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 18.02.2018 | 19:30 Uhr

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