Stand: 18.05.2020 14:20 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Gastronomie: Ernüchterung statt Sektlaune

Ein Cafe-Mitarbeiter stellt Tische und Stühle im Außenbereich auf. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Die Gastronomie in Niedersachsen hat nach dem Neustart weiter Probleme und hofft auf weitere Lockerungen der Corona-Verordnungen.

Ernüchterung in der niedersächsischen Gastronomie: Der Neustart nach der Corona-Schließung ist nicht wie erhofft verlaufen. Die Branche habe nicht mit Umsätzen gerechnet, die in den Himmel schnellen, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen, Detlef Schröder. "Aber die sich jetzt abzeichnenden Umsatzrückgänge sind fatal", sagte er mit Blick auf eine Mitgliederbefragung zu den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung.

VIDEO: Gastronomen fürchten um ihre Existenz (4 Min)

Umsätze offenbar nicht kostendeckend

Restaurants, Gaststätten, Imbisse, Cafés und Kantinen dürfen nach der seit dem 11. Mai geltenden Corona-Verordnung auch zum Verzehr an Tischen öffnen. Neben den Hygieneauflagen muss es beispielsweise einen gesteuerten Zutritt geben und Warteschlangen vermieden werden. Gäste müssen keine Mund-Nase-Bedeckung tragen, das Servicepersonal schon. Nach den Dehoga-Zahlen haben nur 70 Prozent der Befragten ihren Betrieb wieder aufgenommen. 93 Prozent davon mussten demnach feststellen, dass die Umsätze noch nicht zur Kostendeckung ausreichten. Die ohnehin geringen Erwartungen seien oft enttäuscht worden. Verglichen zum normalen Umsatz einer Maiwoche verbuchten 75 Prozent der Befragten weniger als ein Viertel des normalen Umsatzes.

Gäste zögern

Alle arbeiten unterhalb des Limits, sagt Gabriele Güse vom Dehoga-Kreisverband Hameln. Die Gäste seien sehr zögerlich. Es kämen bei weitem keine 50 Prozent. Und wenn, dann meist nur um Kaffee oder Bier zu trinken. In der Stadt Hameln sei zudem zu spüren, dass die Touristen fehlten. Trotzdem sind die Gastronomen froh, dass es weitergeht, so Güse. Das sagt auch Jörg Lange vom Lokal Lindenkrug in Hannover. Jeder Schritt zurück in die Normalität sei gut. Er freut sich, wieder Gäste in seinem Restaurant begrüßen zu können. Betreibswirtschaftlich sehe es aber noch nicht wirklich gut aus. Viele Menschen würden sich einfach noch nicht wieder trauen, in die Restaurants zu gehen.

"Wirtschaftlicher Betrieb so nicht vorstellbar"

"Unter den aktuellen Voraussetzungen ist ein wirtschaftlicher Betrieb in der Gastronomie kaum vorstellbar", sagt Verbandspräsident Schröder. Die Hoffnung sei jetzt, dass die staatlichen Einschränkungen schnell weiter gelockert werden können, um zu einer neuen Normalität zurückkehren zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 18.05.2020 | 17:00 Uhr

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