Eine Mitarbeiter geht bei der Salzgitter AG an aufgewickeltem Stahl vorbei. © picture alliance/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Fusion Salzgitter AG und ThyssenKrupp? Nö, sagt Stephan Weil

Stand: 31.12.2020 10:28 Uhr

Über eine Fusion der Stahlkonzerne Salzgitter AG und ThyssenKrupp wird schon länger spekuliert. Niedersachsens Ministerpräsident sieht darin aber keine Lösung für die großen Themen der Branche.

Nach Ansicht von Stephan Weil (SPD) würde ein Zusammenschluss aus niedersächsischer Sicht keine größeren Vorteile bringen. Darüber hinaus lenke die Diskussion von wichtigeren Fragen ab. Die Salzgitter AG befindet sich, wie die gesamte Stahlindustrie, in einer tiefgreifenden Umbauphase. Die Stahlproduktion soll durch den Umstieg von aus Steinkohle gewonnenem Koks auf Wasserstoff mit wesentlich weniger CO2-Ausstoß ablaufen. Dafür sind Investitionen in Milliardenhöhe nötig.

Weil: "Survival-of-the-fittest"

"Wenn Nordrhein-Westfalen sich nicht an ThyssenKrupp beteiligen will, wird das seine Gründe haben", sagte Weil in Hannover. Es könne "nicht sonderlich verwunderlich sein", dass die Salzgitter AG und das Land Niedersachsen als ihr größter Anteilseigner der Bildung einer "Deutschen Stahl AG" aus beiden Firmen eher skeptisch gegenüber stehen. Aus Sicht des Ministerpräsidenten werde es ein "Survival-of-the-fittest geben, nicht unbedingt ein Survival-of-the-biggest."

Salzgitter AG: CO2-Reduktion von bis zu 95 Prozent

Mit einem Zusammenschluss sei es nicht getan, so der Minister. "Die verschärften Klimaziele lassen sich nur mit einem radikalen Technologiewechsel erzielen. Das ist eine Frage von Sein oder Nichtsein", sagte Weil. Denn die anfallenden CO2-Mengen seien mit dem Kauf von Emissionszertifikaten nicht mehr auszugleichen. Bei der Salzgitter AG läuft der Umbau unter dem Namen "Salcos". Bis 2050 soll das Projekt abgeschlossen sein. Laut Unternehmen bedeutet die wasserstoffbasierte Stahlerzeugung eine CO2-Reduktion von bis zu 95 Prozent. Entscheidend bei der Klimabilanz: Der genutzte Wasserstoff muss dabei möglichst vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird.

Bundesumweltministerin spricht von Zeitenwende

Eine teure Angelegenheit. Für Weil gibt es aber "keine vernünftige Alternative dazu." Dabei gehe es nicht nur darum, mit der Stahlindustrie auch Arbeitsplätze zu erhalten. Müsste der Stahl künftig importiert werden, wäre das für die Ökobilanz "verheerend". Mit "Salcos" sah Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Anfang Dezember eine Zeitenwende für die gesamte Branche eingeleitet. Anlass war die Übergabe eines Förderbescheides über fünf Millionen Euro. Laut Bundesumweltministerin sei man bereit, sich auch an höheren Kosten zu beteiligen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.12.2020 | 12:00 Uhr

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