Stand: 30.11.2019 08:58 Uhr

Fridays for Future: Aegi zeitweise blockiert

Viele Demonstranten von Fridays for Future laufen in Hannover. © NDR Foto: Amelia Wischnewski
Tausende Demonstranten strömten in Hannover auf den Aegidientorplatz.

Beim vierten globalen Klimastreik der Initiative "Fridays for Future" sind am Freitag auch in Norddeutschland wieder Zehntausende Teilnehmer auf die Straße gegangen. Allein in Niedersachsen und Bremen gab es rund 90 Aktionen. Hintergrund der Proteste sind die Kritik am sogenannten Klimapaket der Bundesregierung und der Start der Weltklimakonferenz in Madrid. In Hannover blockierten Tausende Demonstranten am Nachmittag den zentralen Verkehrsknotenpunkt Aegidientorplatz, kurz Aegi genannt. Die Aktion, die von den Organisatoren spontan per Lautsprecher angekündigt worden war, dauerte rund anderthalb Stunden. Ziel sei es gewesen, den Aegi mit bunten Aktionen statt mit klimaschädlichen Autos zu füllen, teilte die Hannover-Gruppe von "Fridays for Future" mit. Auf diese Weise sollte der Druck auf die Politik noch einmal erhöht werden. Autofahrer mussten rund um die Innenstadt starke Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Am Mittag hatten sich die Aktivisten zunächst am Opernplatz versammelt.

VIDEO: "Fridays for Future"-Bewegung legt Aegi lahm (3 Min)

Glocken der Marktkirche in Hannover läuten

In Hannover wurde die Aktion erstmals mit einer Andacht in der evangelischen Marktkirche gestartet. Dazu kamen Teilnehmer aus vier Generationen, darunter auch Vertreter der "Parents for Future" und der "Christians for Future". "Der Klimawandel lässt uns keine fünf Minuten mehr", sagte Hannovers neugewählter Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). "Wir brauchen Mut für Menschen, die hinschauen und auch aktiv werden." Sie könnten zu einer Bewegung werden, die etwas verändere. Als Zeichen für die Bewahrung der Schöpfung läuteten um fünf vor zwölf die Glocken der Kirche.

"Es bleibt uns nichts anderes übrig"

Den Auftakt der Proteste machte am Vormittag Bremen, wo laut Polizei rund 7.000 Demonstranten in der Innenstadt unterwegs waren. In Göttingen zogen Schülerinnen und Schüler vom Albaniplatz zum Bahnhofsvorplatz, mehr als 3.500 waren dort unterwegs, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Sie forderten unter anderem eine Agrarwende, Energiewende, Verkehrswende und Klimagerechtigkeit. "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als ein weiteres Mal zu versuchen, den Druck zu erhöhen", sagte Lisa Naumann von "Fridays for Future Göttingen".

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Demos überall in Niedersachsen

An mehr als 75 Orten in Niedersachsen gab es am Freitag Aktionen, unter anderem auch in Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg, Wolfsburg, Lüneburg, Cuxhaven, Friesoythe, Nordhorn, Celle und Stadthagen.

Auch die Forscher auf der "Polarstern" demonstrieren

Selbst im arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" demonstrierten Wissenschaftler heute für den Klimaschutz. Das Schiff vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven ist an einer Eisscholle festgefroren und driftet durch das Nordpolarmeer. "Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken 'Fridays-for-Future' dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!", schreibt eine AWI-Mitarbeiterin auf Twitter. Im Rahmen der "Mosaic"-Expedition erforschen Wissenschaftler aus 17 Ländern dort die Auswirkungen des Klimawandels am Nordpol.

100.000 Demonstranten in Niedersachsen und Bremen

Beim bislang letzten "globalen Klimastreik" am 20. September waren Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Alleine in Niedersachsen und Bremen hatten mehr als 100.000 Jugendliche und Erwachsene für den Klimaschutz demonstriert. Das Schülerbündnis fordert unter anderem den Kohleausstieg bis 2030 und eine hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2035.

Weitere Informationen
Demonstranten und Demonstrantiinnen blockieren den Aegidientorplatz. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.11.2019 | 16:00 Uhr

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