Stand: 08.08.2020 13:38 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Freilichtmuseen gehen Gäste und Geld verloren

Museumsdorf Cloppenburg  Foto: Luis Bonito, Veenhusen
Dem Museumsdorf Cloppenburg fehlen Veranstaltungen und Besuchergruppen. (Archivbild)

Keine Kulturveranstaltungen, Schulklassen, Geburtstagsfeiern oder Hofmärkte: Wegen des Coronavirus haben Niedersachsens Freilichtmuseen im ersten Halbjahr massive Einbußen verzeichnet. Ins Museumsdorf Cloppenburg etwa kämen zwar viele Einzelbesucher, sagt Verwaltungsleiter Eike Pöhler. Die Zahl sei im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen: "Viele machen Urlaub in Deutschland, das merken wir." Doch das reiche nicht: "Großveranstaltungen wie die Gartenparty oder Dorfkirmes fehlen uns, das lässt sich mit Einzelbesuchern nicht ausgleichen." Normalerweise kommen Pöhler zufolge rund 50.000 Schüler im Jahr ins Museum - nicht in Pandemie-Zeiten. "Die Krise trifft auch die Freilichtmuseen hart", sagt Pöhler.

Später geöffnet - danach wenig Andrang

Das Museumsdorf Hösseringen im Landkreis Uelzen beklagt ebenfalls erhebliche Einbußen. Das Museum habe nicht wie üblich im März, sondern erst Anfang Mai geöffnet, sagt Leiter Ulrich Brohm. Im Mai verzeichnete das Museum demnach rund 50 Prozent weniger Besucher als im Vorjahresmonat, im Juni etwa 33 Prozent weniger. Alle Veranstaltungen seien abgesagt worden, da der Aufwand zur Einhaltung der Hygieneregeln zu groß sei.

Durch fehlende Veranstaltungen fehlt auch das Geld

Ein Stall im Freilichtmuseum am Kiekeberg. © NDR Foto: Ines Hielscher
Das Freilichtmuseum am Kiekeberg verzeichnet im ersten Halbjahr 68.000 Besucher weniger als 2019. (Archivbild)

Das Freilichtmuseum Stade vermeldet einen Besucherrückgang von rund 30 Prozent von Mai bis Juli. Laut Sprecherin Luisa Pauline Fink fielen unter anderem ein Bio-Bauernmarkt, Kindergeburtstage und Programme zur Kultur des Alten Landes aus. Nun gebe es aber wieder Rundgänge durch das Altländer Haus. Ins Freilichtmuseum am Kiekeberg im Landkreis Harburg kamen von Januar bis Juli rund 48.000 Gäste. "Das ist ein Minus von etwa 68.000 Besuchern im genannten Zeitraum", so Sprecherin Lena Lange. "Bis Ende August erwarten wir Mindereinnahmen von 480.000 Euro bei der Stiftung sowie 243.000 Euro beim Förderverein." 13 Traditionsveranstaltungen seien wegen der Pandemie abgesagt worden.

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Seit Juli geht es bergauf

Ein Lichtblick für die Freilichtmuseen: Im Juli sind die Zahlen sichtbar nach oben gegangen - und übertrafen zum Teil sogar die des Vorjahresmonats. Das Museumsdorf Hösseringen konnte im vergangenen Monat etwa 20 Prozent mehr Besucher als im Juli 2019 verbuchen. Ganz so stark ist der Anstieg am Kiekeberg nicht, aber immerhin sind dort der Sprecherin zufolge trotz fehlender Großveranstaltungen im Juli nur etwas weniger Besucher gekommen als im Juli 2019. Zusätzliche Bildungs- und Ferienangebote würden sehr gut angenommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.08.2020 | 07:00 Uhr

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