Eine Mutter sitzt an einem Tisch und arbeitet an einem Laptop während neben ihr ein Kind sitzt und Bilder malt. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte

Frauentag in Niedersachsen: Corona verschärft Benachteiligung

Stand: 08.03.2021 06:33 Uhr

In der Pandemie kümmern sich meist Frauen um die Kinder und stecken im Job zurück. Das verschärft alte Rollenbilder, warnen Theologinnen und Wissenschaftlerinnen zum Weltfrauentag.

"In all den jungen Familien, die ich kenne, ist es natürlich so, dass die Frau dafür sorgt, was auf den Tisch kommt, dass die Schulaufgaben ordentlich gemacht werden oder die Wäsche gewaschen wird", sagt die hannoversche Theologin Margot Käßmann. Diese Belastung habe nicht abgenommen, auch wenn es ein paar "Ausnahmemänner" gebe. Viele Frauen steckten wegen Corona beruflich zurück, um die Familienarbeit zu leisten. "Die Covid-19-Pandemie des Jahres 2020 den Handlungsbedarf deutlich sichtbar werden lassen", schreiben auch die Autoren des im Januar veröffentlichten "4. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Niedersachsen".

Theologin Margot Käßmann und Moderator Arne-Torben Voigts © NDR Foto: Jessica Schantin
AUDIO: Frauen und Gleichstellung – da geht noch was! (51 Min)

Pandemie kostet viele frauentypische Minijobs

Deutlich wird das Problem zum Beispiel an Minijobs, von denen bundesweit im vergangenen Jahr mehr als 900.000 weggefallen sind - meist in Gastronomie, Unterhaltung und Handel. Zu zwei Dritteln waren Frauen betroffen. Denn von ihnen arbeiten wesentlich mehr auf 450-Euro-Basis als Männer. In Niedersachsen waren 2019 rund 13 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Frauen geringfügig beschäftigt, bei Männern waren es 3,2 Prozent, wie der "Atlas zur Gleichstellung" deutlich macht. Bei der Teilzeitbeschäftigung wird der Unterschied noch deutlicher, bei den Männern lag die Quote lediglich bei 10,3 Prozent, bei Frauen landesweit bei 52,0 Prozent. Das erschwere Frauen eine eigenständige Existenz- und Alterssicherung, so die Autoren.

Homeoffice als Fangnetz für alte Rollenbilder?

Die Corona-Krise habe die Diskussion auch auf eine "gerechte Vergütung der überwiegend von Frauen wahrgenommenen erzieherischen und pflegerischen Berufe" gelenkt, ebenso wie auf die Notwendigkeit, einer breiteren Bevölkerungsschicht eine Berufstätigkeit im Homeoffice zu ermöglichen, heißt es im niedersächsischen "Atlas zur Gleichstellung". Gerade die Heimarbeit birgt nach Ansicht der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Jutta Allmendinger, die Gefahr der Re-Traditionalisierung der Frauenrolle.

Digitale und örtliche Veranstaltungen zum Frauentag

"Gleichberechtigung - keinen Schritt zurück in Corona-Zeiten!" heißt dann auch eine digitale Veranstaltung zum Weltfrauentag, zu der Landtagspräsidentin Gabriele Andretta einlädt. Ihre Gäste sind neben Jutta Allmendinger auch die VW-Vorständin Hiltrud D. Werner zum Thema "Frauen brauchen keine Förderung - Frauen brauchen Lösungen". Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen organisieren auch die Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Internet sowie in Braunschweig, Göttingen, Osnabrück und Wolfsburg.

Weitere Informationen
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz. © dpa bildfunk/Reuters-Pool Foto: Hannibal Hanschke

Kommentar: Merkel hat für andere Frauen nicht viel erreicht

Ein Starkmachen für die Bürgerinnen im Land war von der Kanzlerin meist nicht zu sehen, meint Barbara Kostolnik im Kommentar zum Weltfrauentag. mehr

Mehrere Frauen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit in einer bunten Grafik. © PantherMedia Foto: angelinabambina

Internationaler Frauentag: Wie steht es um die Gleichberechtigung?

Seit mehr als 100 Jahren demonstrieren Frauen am 8. März für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. mehr

Der Internationale Frauentag 1982 am 08.03.1982 in Düsseldorf. © picture-alliance /dpa Foto: Klaus Rose

Der Frauentag und der lange Kampf um Gleichberechtigung

Seit mehr als 100 Jahren kämpfen Frauen für mehr Rechte. In Deutschland erfolgt der Aufruf zum ersten Internationalen Frauentag im März 1911. mehr

Vornehmlich Frauen stehen am 19. Januar 1919 für die Wahl der Deutschen Nationalversammlung in einer Schlange vor einem Wahllokal. © AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/dpa

Wie Frauen sich ihr Wahlrecht erkämpft haben

Ein historischer Schritt in Richtung Gleichberechtigung: Am 12. November 1918 erfüllt sich eine zentrale Forderung der deutschen Frauenbewegung - das freie Wahlrecht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 08.03.2021 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Der Landtag in Niedersachsen tagt. © dpa-Bildfunk/Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Live: Landtag debattiert neues Infektionsschutzgesetz

Ministerpräsident Weil hält in der außerplanmäßigen Sitzung eine Regierungserklärung. NDR.de überträgt jetzt live. Video-Livestream