Stand: 13.02.2020 19:43 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Frauenhaus24" - Soforthilfe für Betroffene

von Marie Chlebosch
Das neue Frauenhaus24 soll sich als erste Anlaufstelle für betroffene Frauen etablieren und bestehende Einrichtungen entlasten.

Über Jahre haben sich die Frauenhäuser der Landeshauptstadt und der Region Hannover für sie stark gemacht: eine Akutstelle, die sofort jede von Gewalt betroffene Frau und deren Kinder aufnehmen kann. Denn viele Frauenhäuser in Niedersachsen mussten in den vergangenen Jahren immer wieder Betroffene aus Platzmangel ablehnen, obwohl sie akut gefährdet waren. Das neue "Frauenhaus24" soll Abhilfe schaffen. Wer sich hier meldet, kann sofort aufgenommen werden. Für Viktoria Langner, Mitarbeiterin im "Frauenhaus24", ist die Einrichtung ein wichtiger Schritt, um betroffenen Frauen schnell und unbürokratisch zu helfen: "Die Frauen stehen jetzt nicht mehr vor der Gefahr, dass es keinen Platz für sie gibt, dass sie nicht aufgenommen werden können und noch länger der Gefahr zu Hause ausgesetzt sind."

800.000 Euro im Jahr für die Akutstelle

Fünfzehn Frauen und Kinder finden im neuen "Frauenhaus24" Platz. Bis zu vier Tage können sie dort bleiben, erklärt Dorit Rexhausen, Mitarbeiterin im Frauen- und Kinderschutzhaus Hannover: "Die Frauen können für sich zur Ruhe kommen und abchecken: Was will ich? Will ich wirklich weitergehend in ein Frauenhaus oder will ich zu Verwandten, Freunden, Bekannten? Möchte ich in eine andere Stadt?" In der Akutstelle bekommen die Betroffenen eine Beratung und Unterstützung, wenn es darum geht, einen längerfristigen Platz in einem Frauenhaus zu finden.

Unterstützung für bestehende Frauenhäuser

Bisher waren viele Betroffene dabei auf sich allein gestellt. Rexhausen sieht darin auch eine enorme Hilfe für die bestehenden Frauenhäuser in Niedersachsen: "Wir sind vor allem dadurch entlastet, dass wir nicht permanent sagen müssen, wir können Sie nicht aufnehmen, sondern wir können den Frauen jetzt eine Telefonnummer an die Hand geben und sagen, rufen Sie bitte da an, dort wird Ihnen sofort geholfen." Finanziert wird die neue Akutstelle von der Landeshauptstadt und der Region Hannover mit 800.000 Euro jährlich.  

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Immobiliensuche für ein weiteres Frauenhaus

Die Aktustelle ist nur der erste Schritt, den die Region Hannover geht, um noch mehr Entlastung für die Frauenhäuser zu schaffen. "Wir haben noch zu wenige Plätze. In der Region Hannover gibt es 51 Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Wir brauchen aber 117, um den Standards zu entsprechen, denen sich Deutschland 2018 in der sogenannten Istanbul-Konvention verpflichtet hat", sagt Andrea Hanke, Sozialdezernentin der Region Hannover. Daher suche die Region Hannover aktuell geeignete Immobilien für ein weiteres Frauenhaus.

 

Niedersachsens Frauenhäuser in der Übersicht

Bei Gewalt gegen Frauen sind Frauenhäuser wichtige Anlaufstellen. Daneben gibt es in Niedersachsen noch zahlreiche weitere Beratungs- und Interventionsstellen. Eine Übersicht darüber sowie über die 41 vom Land Niedersachsen geförderten Frauenhäuser stellt das Sozialministerium in diesem Dokument bereit.

Neue Fachstelle für Hilfsangebote

In einem dritten Schritt soll zudem eine neue Fachstelle eingerichtet werden, die betroffenen Frauen hilft, eine Wohnung zu finden, wenn sie das Frauenhaus wieder verlassen wollen. "Denn ein großes Problem der überlaufenen Frauenhäuser ist auch, dass die Frauen es oft nicht schaffen, bezahlbaren Wohnraum zu finden", betont Andrea Hanke. Gerade Alleinstehende und Frauen mit vielen Kindern treffe das im Besonderen. Aber nur, wenn der Wohnraum da sei, könne in den Frauenhäusern wieder Platz geschaffen werden für andere Betroffene.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.02.2020 | 11:00 Uhr

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