Stand: 18.03.2019 18:59 Uhr

Frauen bekommen 20 Prozent weniger als Männer

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In Deutschland findet der Equal Pay Day seit 2017 am 18. März statt. Symbolisch betrachtet verdienen Frauen erst ab diesem Tag Geld im Vergleich zu Männern.

Auch im vergangenen Jahr haben Frauen in Niedersachsen im Schnitt insgesamt 20 Prozent weniger verdient als Männer. Seit Jahren verringert sich der Gender Pay Gap (GPG) kaum. Der Equal Pay Day (EPD), ein internationaler Aktionstag zur Lohngleichheit, findet heute in Deutschland statt und soll auf diese Ungleichheit aufmerksam machen. Bis zu diesem Tag haben Frauen im Vergleich zu Männern quasi umsonst gearbeitet. In Deutschland entspricht das einem Zeitraum von 77 Kalendertagen. In Niedersachsen verdient eine Frau im Schnitt 16,19 Euro brutto die Stunde, während ein Mann mit 20,27 Euro entlohnt wird.

"Frauentypische" Berufe schlechter bezahlt

Die Gründe für die Lohnungleichheit sind vielfältig. Zum einen sind Frauen häufiger Teilzeit beschäftigt als Männer. Das fließt ebenso in die Berechnung des unbereinigten GPG, wie auch die im Schnitt längere Elternzeit. Zudem machen Frauen seltener Karriere als Männer, erreichen also seltener die einkommensstarken Gehaltsgruppen. Ein weiterer Grund: Frauen arbeiten häufig in schlechter bezahlten Berufen wie zum Beispiel im Einzelhandel, in Kitas und in der Pflege. Deshalb fordert Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD), dass die Gehälter in den Sozialberufen steigen. Aber auch im direkten Vergleich verdienen Frauen weniger als Männer. Bei gleichem Beruf und gleichem Lebenslauf erhalten Männer im Schnitt immer noch sechs Prozent mehr Gehalt als Frauen.

Niedersachsen schließt GPG langsam

Was ist der Gender Pay Gap?

Auf Deutsch bedeutet Gender Pay Gap (GPG) etwa Geschlechter-Einkommenslücke oder geschlechtsspezifisches Lohngefälle. Es wird zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten GPG unterschieden. Der unbereinigte GPG bezeichnet den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn von Frauen und Männern und wird als prozentualer Anteil des durchschnittlichen Brutto-Stundenlohns der Männer angegeben. Hierbei fließen auch die Verdienste von ArbeitnehmerInnen in Teilzeit, geringfügig Beschäftigen sowie Auszubildenden und PraktikantInnen mit ein. Beim bereinigten GPG wird der Bruttoverdienst von Frauen und Männern mit ähnlichen Berufsbildern und Eigenschaften verglichen.

Die Lücke zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern schließt sich in Niedersachsen nur langsam. 2006 betrug der unbereinigte GPG noch 25 Prozent, seitdem konnte die Lohnungleichheit um fünf Prozent auf nun 20 Prozent gesenkt werden. Auf Bundesebene sank der GPG im selben Zeitraum nur um zwei Prozent von 23 auf 21 Prozent. Im Vergleich mit anderen Bundesländern befindet sich Niedersachsen laut dem Statistischen Bundesamt im Mittelfeld. Am höchsten fällt der GPG in Baden-Württemberg aus, hier beträgt der Wert 26 Prozent. Die niedrigste Differenz verzeichnet Brandenburg mit zwei Prozent. Das liegt jedoch vor allem daran, dass die Männer dort deutlich weniger verdienen als Männer aus den alten Bundesländern. Im Norden ist die geschlechterspezifische Einkommenslücke in Bremen mit 22 Prozent am höchsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 6 Prozent am niedrigsten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.03.2019 | 08:00 Uhr

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