Eine Luftaufnahme zeigt das Forschungsschiff "Polarstern" inmitten von Eisschollen. © Alfred Wegener Institut Foto: Markus Rex

Forscher: Arktis zog sich 2020 schneller zurück als je zuvor

Stand: 15.06.2021 16:04 Uhr

Das Eis der Arktis schmilzt schneller als jemals zuvor. Das belegen die Aufzeichnungen der jüngsten Arktis-Expedition des Forschungsschiffs "Polarstern", die am Dienstag vorgestellt wurden.

Die Ergebnisse der einjährigen "Mosaic"-Expedition in der zentralen Arktis sind eindeutig: Das Eis hat sich schneller zurückgezogen als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Ausdehnung des Eises sei im Sommer 2020 nur noch halb so groß wie vor Jahrzehnten gewesen, sagte der Fahrtleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven am Dienstag in Berlin. Zugleich sei das Eis nur noch halb so dick wie vor fast 130 Jahren gewesen.

Das Eis schließt sich im Herbst immer später

Im Herbst 2020 habe sich das Eis wiederum viel später geschlossen als je zuvor. "Durch die lange eisfreie Zeit im Sommer konnte der Ozean große Mengen an Wärme aufnehmen und speichern", sagte Rex. Die "Polarstern" war im Herbst 2019 von Bremerhaven aus Richtung Arktis gestartet, im Oktober 2020 kehrte sie zurück. Fast zehn Monate lang driftete das Schiff angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer. Wissenschaftler konnten so den gesamten Eiszyklus vom Gefrieren bis zur Schmelze messen und dokumentieren.

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Forscher warnen: "Unkontrollierte Kaskaden"

Rex sagte, es seien mehr als 150 Terabyte Daten und mehrere 10.000 Proben mit nach Hause gebracht worden. Erst die Auswertung der nächsten Jahre werde zeigen, ob das ganzjährige arktische Meereis noch zu retten sei. Er warnte, sollte die sommerliche Arktis eisfrei werden, könne dies "unkontrollierte Kaskaden" auslösen. Diese könnten die Erderwärmung immer weiter antreiben. Ende Mai dieses Jahres ist die "Polarstern" zu einer neuen Arktis-Expedition aufgebrochen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.06.2021 | 14:00 Uhr

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