Stand: 02.07.2020 11:06 Uhr

Fleischbranche: Althusmann fordert Systemwechsel

Angestellte eines Schlachtbetriebs arbeiten an aufgeschlitzten Schweinen. © dpa Bildfunk Foto: Bernd Thissen
Werkverträge sollen ab 2021 in der Fleischbranche verboten werden. (Themenbild)

In der Debatte um das geplante Verbot von Werkverträgen für die Fleischindustrie hat die niedersächsische Landesregierung der Großen Koalition in Berlin den Rücken gestärkt. Nach anfänglicher Skepsis seitens des Wirtschaftsministeriums sagte Minister Bernd Althusmann (CDU): "Die Selbstverpflichtungen in der Branche sind gescheitert, wir brauchen jetzt einen Systemwechsel." Entsprechende Änderungen habe Niedersachsen in einem gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan mit Nordrhein-Westfalen angestoßen. Die Opposition im Niedersächsischen Landtag ist davon nicht überzeugt. Anlass für das geplante Gesetz sind massive Corona-Ausbrüche in fleischverarbeitenden Betrieben.

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Grüne: "Nehmen sie weiter als Bremser wahr"

Die Grünen sehen in den Aussagen Althusmanns nicht mehr als Absichtserklärungen, von denen es in den vergangenen Jahren "so viele" gegeben habe. "Wir nehmen sie weiterhin nicht als Treiber, sondern als Bremser in dieser Thematik wahr", sagte die stellvertretende Fraktionschefin Miriam Staudte. Auch FDP-Vize Jörg Bode gehen die Forderungen der rot-schwarzen Landesregierung nicht weit genug. "Ein Verbot von Werkverträgen in der Branche allein genüge nicht. "Verbrecher" finden seiner Ansicht nach andere Wege, das System zu unterlaufen und Arbeiter auszubeuten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.07.2020 | 12:00 Uhr

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