Feuerwerksverbot: Ärztekammer appelliert an Landesregierung

Stand: 19.12.2020 18:57 Uhr

Nach der gerichtlichen Außerkraftsetzung des Feuerwerkverbots hat die Ärztekammer an die niedersächsische Regierung appelliert, die Corona-Verordnung in Sachen Feuerwerk nachzuschärfen.

Es sollte so streng wie möglich verboten werden, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, sagte Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer am Sonnabend. "Wir sind in Niedersachsen noch nicht an der Belastungsgrenze, und wir sollten alles dafür tun, dass es so bleibt."

Wenker: Freigabe von Feuerwerk konterkariert strikte Maßnahmen

Wenker verwies auf die derzeit stetig steigenden Infektionszahlen und die Zahl der schwer an Covid-19 Erkrankten. Daher verbiete sich jede Ansammlung von alkoholisierten Menschen in der Silvesternacht, so die Ärztekammer-Präsidentin. Die Freigabe von Feuerwerk würde alle strikten Maßnahmen der Kontaktbeschränkungen konterkarieren und zu erhoffende positive Effekte des jetzigen Lockdown auf einen Schlag wieder zunichtemachen.

Verkaufsverbot weiter gültig

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hatte das landesweite Abbrenn-Verbot für Feuerwerk am Freitag außer Kraft gesetzt. Ein derart umfassendes Verbot sei als Infektionsschutzmaßnahme nicht notwendig, hieß es. Die Landesregierung will nun nachbessern und das Verbot so rechtssicher machen. Unabhängig von der OVG-Entscheidung bleibt das bundesweite Verkaufsverbot für Silvester-Feuerwerk weiterhin bestehen. Dieses hat der Bundesrat am Freitag beschlossen.

Marburger Bund für mehr Ärzte

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatte vor wenigen Wochen für den Fall weiter steigender Corona-Infektionsfälle vor Personalengpässen in den Krankenhäusern gewarnt und einen Ausbau der gesundheitlichen Versorgung in Niedersachsen gefordert. Allein in den Krankenhäusern würden 2.500 Mediziner fehlen.

"Lockdown", "Shutdown", "Exit" - Neues in der Alltagssprache

"Lockdown", "Shutdown", "Exit"-Strategie - das Vokabular in der Corona-Pandemie ist bisweilen mit Anglizismen durchsetzt und transportiert neue Worte in die Alltagssprache. Nicht immer trifft die Übersetzung den Kern des Ursprungsbegriffs, erklärt Annette Klosa-Kückelhaus, Bereichsleiterin in der Abteilung Lexik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.

"Lockdown", "Shutdown" und "Exit"
Die Begriffe sind dem Englischen entlehnt und bezeichnet einen Zustand der regionalen Isolation oder Eindämmung aus Sicherheitsaspekten (Lockdown) beziehungsweise die zeitlich nicht weiter definierte Schließung eines Geschäfts oder einer Fabrik (Shutdown). Der Begriff "Exit" ist die englische Bezeichnung für "Ausgang" oder "Notausgang". Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bezeichnet "Exit" die Beendigung von "Lockdown"- oder "Shutdown"-Maßnahmen - also einen Ausweg aus dem gesellschaftlichen Stillstand.

Einführung in die Alltagssprache
Die Worte werden seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf einen Zustand entlehnt, für den es im Deutschen ganze Sätze benötige, so Klosa-Kückelhaus: Das Herunterfahren beziehungsweise den Stillstand des privaten, öffentlichen und/oder wirtschaftlichen Lebens zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Bisher seien diese Verwendungen nur für die Corona-Pandemie zu beobachten. Um diese Bedeutungen allgemeinsprachlich zu verfestigen, bedürfe es der Verwendung in anderen Kontexten.

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Feuerwerksraketen liegen auf einer weißen Fläche. © fotolia Foto: Malte Reiter

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.12.2020 | 16:00 Uhr

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