Stand: 05.11.2018 07:42 Uhr

Ferkelkastration: Otte-Kinast begrüßt Aufschub

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat den Gesetzentwurf der Große Koalition in Berlin begrüßt, der einen Aufschub des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration vorsieht. Eigentlich sollte die in Deutschland gängige Methode, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren, ab dem 1. Januar 2019 verboten werden. Am Freitag hatte sich die schwarz-rote Regierungskoalition in Berlin dann auf einen Gesetzesentwurf verständigt, mit dem die Übergangsfrist bis Ende 2020 verlängert werden soll. Diese Entscheidung nannte Otte-Kinast "gut und richtig". Den Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration an sich stelle sie aber keineswegs infrage. "Nun geht es darum, dass die Branche die Zeit bis 2020 nutzt, um tragfähige Lösungen zu entwickeln", so Otte-Kinast.

CDU: Es gibt keine praktikable Alternative

Bereits Anfang Oktober hatten sich die Koalitionsspitzen auf einen Aufschub der Betäubungspflicht geeinigt. Eine praktikable oder marktgängige Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration gebe es bisher nicht, sagte Unions-Fraktionsvize Gitta Connemann aus Leer. Und ein Verbot ohne Alternative würde viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen. Eine Umsetzung des Verbots scheitere daran, dass es noch keine zugelassenen Tierarzneimittel gebe und alternative Verfahren vom Handel und von Verbrauchern nicht akzeptiert würden, so Connemann. Die Übergangsfrist müsse jetzt dazu genutzt werden, tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten.

Fleisch soll beim Erhitzen nicht unangenehm riechen

Derzeit werden Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert, damit das Fleisch von Ebern beim Erhitzen keinen strengen Geruch oder Beigeschmack bekommt. Mit der Reform des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 war das Verbot dieser Praxis beschlossen worden.

Kritik von Grünen und Foodwatch

Den jetzt beschlossenen Aufschub kritisierte der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Die Große Koalition nehme "millionenfaches Tierleid" hin, obwohl es von Wissenschaftlern, Tier- und Verbraucherschützern anerkannte Alternativen gebe - wie etwa die Kastration unter Narkose. Diese sei der Fleischindustrie aber zu teuer. Kritik kam auch von der Verbraucherorganisation Foodwatch, die als Alternative zur betäubungslosen Kastration die sogenannte Immunokastration nannte. Dabei werde mit einer Art Impfstoff die Bildung der Geschlechtshormone von vornherein verhindert. Nach Angaben von Bauernverbänden wird das aber von Verbrauchern und vom Lebensmitteleinzelhandel hinsichtlich der Fleischqualität nicht akzeptiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.11.2018 | 08:00 Uhr

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