Stand: 02.10.2018 15:07 Uhr

Ferkelkastration: Aufschub der Betäubungspflicht

Das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln soll nun doch um zwei Jahre verschoben werden. Darauf haben sich die Spitzen von Union und SPD in Berlin geeinigt. Die Koalitionsfraktionen sollen eine entsprechende Initiative im Bundestag auf den Weg bringen. Nach jetzigem Stand greift das Verbot zum 1. Januar 2019. Dies war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 festgelegt worden. Bislang werden unter acht Tage alte männliche Ferkel bei vollem Bewusstsein kastriert, um den von vielen als unangenehm empfundenen Ebergeruch im Schweinefleisch zu vermeiden. Bauernvertreter hatten gewarnt, dass ohne eine Verschiebung des Verbots zahlreiche Sauenhalter ihren Betrieb oder diesen Zweig ihres Betriebs aufgeben müssten.

Otte-Kinast: "Damit besteht Hoffnung für Sauenhalter"

Niedersachsen war zuvor mit einem Antrag zur Verschiebung des Verbots im Bundesrat gescheitert - entsprechend erfreut zeigte sich Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) über die überraschende Nachricht aus Berlin. Das Signal aus dem Koalitionsausschuss stimme sie zuversichtlich: "Damit besteht Hoffnung für die Sauenhalter, dass sie nun genau die zweijährige Verlängerung erhalten, die Niedersachsen im Bundesrat gefordert hat." Bis zum Ablauf dieser Frist müsse die Branche nun "tragfähige Lösungen entwickeln". Otte-Kinast hat nach eigenen Angaben für kommenden Montag zu einem Schweinehaltungs-Gipfel ins Ministerium eingeladen. "Ich erwarte dann die deutliche Bereitschaft, an konkreten Vorschlägen zu arbeiten", so die Ministerin. "Der Ausstieg aus der Kastration ohne Betäubung wird von mir in keiner Weise in Frage gestellt. Je schneller er kommt, desto besser."

Tierschützer: "Verrat an den Ferkeln"

Grüne und Tierschützer reagierten empört auf den Beschluss des Koalitionsausschusses. "Es ist ein schmutziger Deal", sagte der Sprecher für Agrarpolitik der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff. "Der minimalste Tierschutz, den Ferkeln eine Betäubung zu gewähren, wird für den CSU-Wahlkampf in Bayern geopfert." Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, sprach von "Verrat an den Ferkeln und Verrat am Staatsziel Tierschutz."

Landvolk-Präsident hofft auf dänisches Modell

Debatte um Ferkelkastration: Worum geht es?

  • Ferkel werden kastriert, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Viele Tierschützer sind gegen die Kastration.
  • Alternativ stehen laut Agrarministerium mehrere Verfahren zur Verfügung: Die Jungebermast, die Jungebermast mit Impfung gegen den Ebergeruch (die sogenannte Immunokastration) und die chirurgische Kastration unter Inhalations- oder Injektionsnarkose.
  • Als weitere Möglichkeit gilt der in Dänemark angewandte "Skandinavische Weg". Darunter versteht man eine Kastration nach einer Lokalanästhesie, die durch den Landwirt vorgenommen wird. Nach Angaben des Agrarministeriums müssten dafür aber sowohl das Tierschutzgesetz als auch das Arzneimittelgesetz geändert werden.
  • Alle vier Möglichkeiten werden laut Ministerium bereits in der Praxis geprüft, gelten aber nicht als ausreichend wissenschaftlich erforscht.

Erleichterung über die Berliner Einigung äußerte der niedersächsische Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke. "Es freut uns, dass das Problembewusstsein bei den verantwortlichen Politikern angekommen ist", sagte er dem NDR. "Wir hoffen, dass wir dann zukünftig den dänischen Weg wählen können, Ferkel also lokal anästhesieren können." Er hält es für möglich, innerhalb von zwei Jahren Übergangsfrist eine Regelung zum dänischen Modell zu erreichen: "Wir sehen, dass entsprechende Versuche dazu laufen, die diese verschiedenen Möglichkeiten der Lokalanästhesie ausprobieren. Und wir haben schon Hoffnung, dass das, was in unseren Nachbarländern funktioniert, auch bei uns klappt. Wir hoffen auch, dass die Tierschutzverbände uns da unterstützen." Das Ziel sei es, lokale Betäubungen zuzulassen, die der - zuvor geschulte - Landwirt selber durchführen kann. Neben der Verschiebung des Verbots sei hier vor allem eine Entscheidung wichtig, betonte Schulte to Brinke. Die Betriebe bräuchten Planungssicherheit.

Weitere Informationen

Bundesrat: Betäubungspflicht soll kommen

Niedersachsen ist mit einer Verlängerung der betäubungslosen Ferkel-Kastration gescheitert. Der Bundesrat lehnte am Freitag erneut die Forderung ab. Bauern fürchten Schlimmes. (21.09.2018) mehr

Frust über abgelehnte Übergangsfrist

Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist ab 2019 verboten. Eine von Niedersachsen geforderte Übergangsfrist wurde abgelehnt. Agrarministerin Otte-Kinast und Landwirte sind enttäuscht. (04.09.2018) mehr

Ferkelkastration mit örtlicher Betäubung?

Ab 2019 ist die betäubungslose Kastration von Ferkeln verboten. Doch was sind die Alternativen? Niedersachsens Agrarministerium will eine örtliche Betäubung prüfen lassen. (11.07.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.10.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:34
Hallo Niedersachsen

Wie gehen Polizisten mit Pöbeleien und Angriffen um?

21.01.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:44
Hallo Niedersachsen

Internationaler Tag der Jogginghose

21.01.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:48
DAS!

Die Krise der Obdachlosen-Zeitungen

19.01.2019 18:45 Uhr
DAS!