Stand: 26.09.2018 10:09 Uhr

FAQ: Fragen und Antworten zum Moorbrand bei Meppen

Seit dem 3. September brennt es auf dem Bundeswehrgelände der WTD 91 bei Meppen. Bei hohen Temperaturen waren aus einem Helikopter Raketen abgefeuert worden, wodurch das Moor in Brand geriet und nicht schnell genug gelöscht werden konnte. Seitdem hält der Moorbrand die Helfer vor Ort und große Teile Norddeutschlands in Atem.

Ein Grafik zeigt einen Querschnitt eines Moorbrands. © NDR

Wie breitet sich ein Moorbrand aus?

Das Moor brennt zunächst nur an der Oberfläche, dann dringt der Brand in tiefere Torfschichten ein und schwelt dort weiter, manchmal wochenlang. Löschen ist hier kaum möglich.

3,79 bei 48 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Was ist ein Moorbrand?

Moorbrände kommen relativ selten und meist nur bei lang anhaltend trockener Witterung vor. Der Brand spielt sich meist im Unterboden des Moores ab und der Rauch steigt selten in einer senkrechten Linie aus dem Boden. Deshalb ist der Brandherd auch schwierig zu orten. Wenn ein Moorbrand nicht frühzeitig gelöscht wird, kann es sein, dass dieser über Monate hinweg schwelt, ohne dass eine nennenswerte Rauchentwicklung auf einen Brand hindeutet. Es brennt dabei der Torf im Boden, ein organisches Material, das besonders langsam brennt. Früher war Torf gerade deshalb ein beliebter Brennstoff für Öfen.

Wo brennt es im Tinner Moor?

Der Brand hat sich mittlerweile auf eine Fläche von acht bis zwölf Quadratkilometern ausgebreitet. Ausgebrochen ist das Feuer im Moorgebiet "Tinner Dose". Das Moor ist Bestandteil des Geländes der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 (WTD 91). Das Gelände liegt weniger als 20 Kilometer nordöstlich von Meppen und gehört zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Die WTD 91 bietet Dienstleistungen auf dem Gebiet der Messtechnik für militärische Zwecke. Sie verfügt über den größten mit Messinstrumenten ausgestatteten Schießplatz Europas und wird seit 1957 von der Bundeswehr genutzt. Als Übungsschießplatz wird das Gelände bereits seit 1877 genutzt, erstmals von der Firma Krupp. Wegen der militärischen Nutzung kam die wirtschaftliche Ausbeutung des Gebietes nicht infrage: Der Brennstoff Torf wurde deshalb in dem Gebiet nie gestochen und vermarktet.

Karte: Moorbrand - hier muss eventuell evakuiert werden

Wie ist es zu dem Moorbrand gekommen?

Videos
03:06
Hallo Niedersachsen

Moorbrand: Von der Leyen entschuldigt sich

22.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Verteidigungsministerin von der Leyen (CDU) hat Fehler bei der Bekämpfung des Moorbrandes eingeräumt. Sie war mit Ministerpräsident Weil und Wirtschaftsminister Althusmann vor Ort. Video (03:06 min)

Seit dem 3. September brennt es auf dem Bundeswehrareal der WTD 91. Das Feuer wurde ausgelöst, nachdem aus einem "Tiger"-Kampfhubschrauber Raketen abgefeuert wurden. Ein erster Brandherd konnte noch bekämpft werden. Bei einem zweiten gelang das aber nicht, weil, so sagt die Bundeswehr, die eingesetzte Löschraupe wegen eines Defektes nicht weiter eingesetzt werden konnte. Ein Ersatzfahrzeug war zu dem Zeitpunkt in der Werkstatt. Wie am Sonntag bekannt wurde, hatte nicht die Bundeswehr selbst, sondern das Unternehmen Airbus Helicopters die Raketen abgefeuert. Die Tests seien im Auftrag der Bundeswehr durchgeführt worden. Verteidigungsministerin von der Leyen räumte ein, dass die Bundeswehr Fehler gemacht habe. So seien nicht schnell genug die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden zur Hilfe gerufen worden.

Wie lange können die Löscharbeiten noch dauern?

Wie lange die Löscharbeiten noch genau dauern, kann niemand sagen. Die Regenfälle vom Wochenende haben die Situation nur leicht verbessert. Geholfen hat auch, dass der zunächst starke Wind inzwischen abgeflaut ist. Die Bundeswehr setzt zudem neue Mittel ein, die das Löschen erleichtern sollen: Tornado-Aufklärungsjets sind bereits mehrfach über das Gebiet geflogen. Mittels Infrarottechnik sollen die unterirdischen Brandnester so genau wie möglich lokalisiert werden.

Wer ist an den Löscharbeiten beteiligt?

Drei Wochen nach Ausbruch des Brandes waren am Wochenende noch 1.442 Helfer vor Ort. Davon gehören 795 zu zivilen Feuerwehren, 67 zur Bundeswehrfeuerwehr und 444 zum THW. 136 Einsatzkräfte sind laut Bundeswehr sogenannte Spezialpioniere. Die Bundeswehr bezeichnet die Spezialpioniere als "Handwerker in Uniform", die zum Beispiel Wasserleitungen legen oder anderweitig Infrastruktur schaffen. Die Leitung des Einsatzes übernimmt der Katastrophenschutz des Landrats. Die eingesetzten Kräfte sollen laufend durch weitere Helfer abgelöst werden - auch bei ihnen handelt es sich in der Mehrzahl um Freiwillige.

Wie kann gelöscht werden?

Die oberirdischen Feuer sind durch die Löscharbeiten und den Regen mittlerweile bekämpft. Es wird weiterhin versucht zu verhindern, dass sich das Feuer erneut durch Funkenflug ausbreitet. Dazu legen Feuerwehrleute Schläuche, die den Boden rund um das Brandgebiet wässern. Laut Bundeswehr  gibt es noch unzählige unterirdische Glutnester, teilweise bis zu einem Meter unter der Erdoberfläche. Der Brand-Experte Professor Hans-Joachim Gressmann sagte NDR 1 Niedersachsen, dass man die Glutnester wahrscheinlich ausgraben müsse, um das Feuer endgültig löschen zu können.

Was macht die Löscharbeiten so schwierig?

Der Torf im Moor hat eine wasserabstoßende Eigenschaft, weshalb das Wasser seine volle Löschwirkung nicht entfalten kann, erklärte Brand-Experte Professor Hans-Joachim Gressmann im Gespräch bei NDR 1 Niedersachsen. Außerdem befinden sich auf dem Gelände Munitionsreste von vergangenen Schießübungen. Diese bergen eine Gefahr für die Helfer beim Löscheinsatz. Neben den rein technischen Schwierigkeiten der Löscharbeiten hat auch die Informationspolitik der Bundeswehr die Löscharbeiten erschwert. Staatssekretär Gerd Hoofe räumte "gewisse Probleme in der Kommunikation" ein und kündigte mehr Transparenz an.

Gab es vor Ort schon öfter Moorbrände?

Videos
02:32
Hallo Niedersachsen

Moorbrand in Meppen: Regen hilft - ein bisschen

23.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Leichtes Aufatmen bei Feuerwehr, THW und den Verantwortlichen der Bundeswehr, die versuchen, den Moorbrand in Meppen in den Griff zu kriegen: Der Regen hilft bei den Löscharbeiten. Video (02:32 min)

In Torfmooren kommt es immer wieder zu Bränden. Das gilt nicht nur im Emsland. So kam es auch in der Vergangenheit auf dem Gelände der WTD 91 in Meppen immer wieder zu kleineren und größeren Bränden. 80 bis 100 Feuer verzeichnet die Dienststelle pro Jahr durch den Erprobungsbetrieb. Die letzten Großbrände ereigneten sich im Juli 2010 sowie Juni 2006. Die Feuer wurden ebenfalls durch Testschüsse verursacht und waren zum Teil erst nach mehreren Wochen gelöscht. Auch hier war die Rauch- und Geruchsbelästigung über weite Strecken groß. Ein Ausmaß wie beim aktuellen Fall haben die vergangenen Moorbrände allerdings nicht erreicht.

Welche Auswirkungen hat der Brand auf die Gesundheit von Anwohnern und Helfern?

Laut Bundeswehr besteht durch den Qualm keine Gesundheitsgefährdung. Mehrere Lungenärzte haben dem jedoch widersprochen. Die freigesetzten Partikel seien, insbesondere für Menschen, die Lungenerkrankungen haben, eine Gefährdung. Dies gelte für die unmittelbare Umgebung, aber aufgrund der Ausmaße der Rauchwolke "wahrscheinlich auch für Menschen in größerer Entfernung", sagte ein Lungenfacharzt dem NDR Fernsehen. Betroffenen wird geraten, notfalls vorübergehend zu Bekannten in einen anderen Ort ziehen. Anwohner sollten zudem besser Türen und Fenster geschlossen halten. Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für sie so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzten, sagte ein Lungenexperte der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Videos
01:58
Hallo Niedersachsen

Moorbrand: Wie gefährlich ist der Rauch?

20.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Laut Experten stellt der Rauch durch den Moorbrand bei Meppen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für den Menschen dar. Aber was bedeutet das zusätzliche CO2 für die Klimabilanz? Video (01:58 min)

Was ist ein Katastrophenfall?

Der Landkreis Emsland hat wegen des Moorbrands den Katastrophenfall ausgerufen. Ein Katastrophenfall kann bei drohenden schweren Schäden, etwa bei verheerenden Unglücken oder Naturereignissen, ausgelöst werden. Im Katastrophenfall können sogar einige Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, zum Beispiel das Recht auf Freizügigkeit und Unverletzlichkeit der Wohnung. Im Notfall können die Behörden Gebiete absperren und räumen, Einwohner als Helfer verpflichten, fremde Gebäude oder Autos nutzen. Außerdem kann unter anderem die Bundeswehr für den Einsatz im Inland angefordert werden. In Niedersachsen sind die Landkreise und kreisfreien Städte für Katastrophenschutz zuständig. Die veränderte Rechtsgrundlage durch das Katastrophenschutzgesetz betrifft außerdem die Rechte und Pflichten der Helfer vor Ort in Bezug auf ihre Freistellung von der Arbeit, sowie ihren Versicherungsschutz.

Was bedeutet der Katastrophenfall für die Anwohner?

Vorerst müssen sich die Anwohner der Gemeinden Groß und Klein Stavern nur bereit halten und sich auf eine eventuelle Evakuierung vorbereiten. Das bedeutet, dass sie ihre Ausweise, die wichtigsten Dokumente und benötigte Medikamente griffbereit halten sollen. Sollte es zu einer Evakuierung kommen, wird in den Gemeinden zeitnah bekanntgegeben, wo es Sammelplätze und Unterbringungsmöglichkeiten gibt. Dies gilt besonders für Landwirt und Tierhalter, die Ausweispapiere benötigen, um trotz Evakuierung weiter ihre Höfe zur Versorgung der Tiere erreichen zu können. Der Landkreis Meppen hat ein Bürgertelefon für Betroffene unter den Telefonnummern: (05931) 44 - 5701, - 5702 und - 1431 eingerichtet.

Was sind die rechtlichen Konsequenzen des Moorbands?

Staatsanwaltschaft Osnabrück und Polizei hatten am Freitag das Gelände durchsucht. Sie ermitteln wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung und wegen des Verdachts auf Gefährdung einer schutzbedürftigen Zone. Zunächst müsse geklärt werden, wer für das Feuer verantwortlich sei - die Angehörigen der Bundeswehr, die die Rakete abgeschossen haben oder diejenigen, deren Aufgabe es war, einen Brand zu verhindern, erklärte ein Justizsprecher. Niedersachsens Grüne fordern, Waffentests auf dem Gelände bei Meppen für unbestimmte Zeit auszusetzen.

Was sind die Konsequenzen für die Natur?

Der Naturschutzbund (NABU) Emsland kritisiert, dass die Bundeswehr auf dem Gelände der WTD 91 bei derart trockenen Bodenverhältnissen überhaupt Munition getestet hat. Die Naturschützer rechnen mit 500.000 bis 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die bislang in die Luft gelangt sind - so viel, wie 50.000 Bundesbürger zusammen im Schnitt pro Jahr verursachen. Außerdem können unzählige Insekten, Spinnentiere, Reptilien vor der Hitze nicht fliehen und verenden. Nach Einschätzung des Umweltministeriums wurden durch den Brand etwa 300.000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. Es sei zu nachhaltigen Schäden für Umwelt und Tierwelt gekommen. Wichtiger Lebensraum von Pflanzen, Insekten und verschiedenen Vogelarten sei durch den noch immer nicht erstickten Brand verloren gegangen, teilte das Umweltministerium im Umweltausschuss des Landtages mit: "Wir gehen im Moment davon aus, dass die Moorflächen Jahre - schlimmstenfalls Jahrzehnte - zur Regeneration brauchen, da anders als bei früheren Bränden nicht nur die Vegetation, sondern auch die Torfkörper betroffen sind."

Wer bezahlt den Löscheinsatz?

Der Bund hat zugesagt, dass er die Kosten für jene Helfer übernimmt, die im Rahmen der Amtshilfe angefordert wurden. Für jene Einsatzkräfte, die aufgrund des Katastrophenalarms zum Einsatz kommen, müssten eigentlich das Land Niedersachsen bzw. der Landkreis Emsland zahlen. Aber hier habe die Bundeswehr bereits signalisiert, für die Kosten aufzukommen, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover. Die genauen Kosten, die durch die Bekämpfung des Moorbrandes bisher entstanden sind, lassen sich auch drei Wochen nach Ausbruch nicht beziffern. Aber: Ob nun der Bund oder das Land den Einsatz bezahlt - am Ende tragen die Steuerzahler die Last.

Moorbrand bei Meppen: Mammutaufgabe für Helfer

Weitere Informationen

Was Sie zum Moorbrand bei Meppen wissen müssen

Am 3. September ist auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen ein Feuer ausgebrochen. Am 10. Oktober erklärt die Truppe den Brand für gelöscht. Alles Wichtige zum Brand in der Übersicht. mehr

Moorbrand wird Fall für die Justiz

Der Moorbrand bei Meppen beschäftigt nun auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet. Vor Ort erhalten die Feuerwehrleute Verstärkung. mehr

04:08
Hallo Niedersachsen

Moorbrand: Anwohner unterstützen Helfer

23.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Während unzählige Helfer weiter versuchen, den Brand auf dem Meppener Bundeswehrgelände zu löschen, unterstützen die Anwohner sie mit dem Nötigsten - von Zahnpasta bis Klopapier. Video (04:08 min)

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.09.2018 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:01
Hallo Niedersachsen

Gänseplage im Rheiderland

17.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:45
Hallo Niedersachsen

Lingen: Messerattacke auf Radfahrerin

17.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:43
Hallo Niedersachsen

Langeoog - Versteck für Karnevalsmuffel

17.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen