Stand: 12.02.2019 08:54 Uhr

Europaministerin in London: Wo geht's zum Brexit?

von Christoph Hamann
Niedersachsen Europaministerin Honé in der Downing Street: In London ist der drohende harte Brexit überall zu spüren.

Es ist kurz nach ein Uhr mittags, als Niedersachsens Brexit-Delegation hart ausgebremst wird. Londons Taxifahrer streiken und blockieren die Straßen rund um Big Ben. Stillstand, kein vor und kein zurück mitten im Regierungsviertel. Die Teilnehmer steigen aus, weiter geht's zu Fuß. Es ist Brexit-Zeit in Britain. Rund um das Parlament wird - in England ungewöhnlich - permanent demonstriert, wird je nach Straßenseite "Europa - rein oder raus" gerufen. Niedersachsens Europaministerin Birgit Honé steht derweil vor den Absperrungen der Downing Street, wartet auf den Einlass zu jenem Regierungsvertreter, der sich ausschließlich mit dem Brexit befassen soll.

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Wie soll es weitergehen nach einem harten Austritt?

Am frühen Morgen war die Europabeauftragte schon in der Deutschen Botschaft gebrieft und, ja, gewarnt worden: Der harte Austritt Großbritanniens, so Ulrich Hoppe von der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, dürfte kaum noch zu verhindern sein. Wie es dann aber weitergehen könnte, wie die Wirtschaft damit klar kommen soll, Spediteure liefern und Firmen Zölle berechnen sollen, das aber wisse niemand so wirklich.

"Prepare for the worst!"

Ein Eindruck, der sich auch nach dem Gespräch in der Downing Street Nummer 9 - direkt neben dem Regierungssitz - bestätigen soll. Brexit-Staatssekretär Robin Walker gibt sich entspannt, aber uneindeutig. Immerhin, ein Termin auf höchster politischer Ebene - für Honé ein Erfolg. Konkrete Verhandlungen kann sie als Ministerin eines Bundeslandes ohnehin nicht führen, nur dringend an Niedersachsens Mittelständler appellieren: Prepare for the worst! Auf Deutsch: auf das Schlimmste, einen ungeregelten Brexit, einstellen!

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Zu Besuch in Londoner Filiale der Aerzener Maschinenfabrik

Am Nachmittag geht es weiter nach Loughton an den nördlichen Londoner Stadtrand. Die Maschinenfabrik Aerzen hat hier seit 1973 eine Filiale. Fünfzig Mitarbeiter bedienen von hier Großbritannien und auch Irland. Die Grenze zwischen beiden Staaten könnte ab Ende März eine neue Außengrenze der EU sein. "Das macht uns natürlich große Sorgen", sagt Matthew Morey, Chef der Aerzen-Niederlassung. Längst sei Irland ein viel zu großer Markt, um ihm mit Unsicherheit begegnen zu können. "Außerdem bekommen wir momentan viel Spott ab wegen des Brexit. Und auch in der Belegschaft wird der Austritt kontrovers diskutiert", sagt Morey. Immerhin, Produkte Made in Germany seien einfach zu gut und beliebt, als dass man Schaden nehmen könne. Und deshalb wolle man sie auch weiterhin zum besten Preis und ohne Zölle verkaufen.

Großbritannien nicht mehr wichtigster Handelspartner

Doch die Entwicklung gut sechs Wochen vor dem Brexit ist längst eine andere: Großbritannien rutscht nach hinten, Frankreich und die Niederlande sind mittlerweile die wichtigsten Handelspartner Niedersachsens. Jetzt geht es für die Niedersachsen-Delegation und Europaministerin Honé weiter ins britische Unterhaus: Treffen mit Abgeordneten "für und wider" den Brexit. Wieder eine Gelegenheit, den Stillstand und gar den künftigen Weg des Landes etwas besser zu verstehen.

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Hallo Niedersachsen | 14.02.2019 | 19:30 Uhr

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