VIDEO: Erste Rettungskräfte kommen nach Flutkatastrophe zurück (2 Min)

Erste norddeutsche Helfer kehren aus Hochwassergebiet zurück

Stand: 19.07.2021 17:00 Uhr

Nach einem kräftezehrenden Einsatz in den Hochwassergebieten sind die ersten Helferinnen und Helfer wieder in Niedersachsen eingetroffen. Die Erschöpfung ist groß und die Eindrücke sitzen tief.

Rund 150 Männer und Frauen der Feuerwehren Neustadt am Rübenberge, Wunstorf und Garbsen (Region Hannover) waren in der Nacht zu Sonnabend nach Nordrhein-Westfalen gefahren, um unter anderem in Euskirchen zu helfen. Stundenlang haben sie Schutt weggeräumt und vollgelaufene Gebäude ausgepumpt. Die persönlichen Geschichten der Betroffenen seien den Kameraden schon sehr an die Nieren gegangen, sagte Einsatzleiter Lars-Robert Schwieger nach der Rückkehr dem NDR in Niedersachsen. Umso beeindruckender seien der Zusammenhalt und die Dankbarkeit gewesen. Auf der Autobahn hätten Lastwagen gehupt und Menschen in Autos den Daumen hochgehalten, so Schwieger. "Das schweißt zusammen, gerade wenn man sieht, wie schnell sich die Lebenssituation ändern kann."

Akku der Helfenden ist leer

In der Region Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim sind 75 Personen vom Technischen Hilfswerk (THW) nach vier Tagen wieder zu Hause eingetroffen. Sie haben in Düsseldorf Wasser abgepumpt und Sandsäcke gefüllt. 16 Stunden schufteten die THW-Leute täglich, in dicker Einsatzkleidung bei Temperaturen von bis zu 27 Grad. "Wenn Helfer vier Tage lang fast rund um die Uhr im Einsatz sind, dann ist irgendwann der Akku leer", sagte Koordinator Daniel Schmock. "Dann muss man sie auch geführt aus der Einsatzstelle rausbringen, damit der Akku wieder voll geladen werden kann." Ein Großteil der Kameraden habe aber schon gefragt, wann es weitergehe. Aus dem Emsland und der Grafschaft waren außerdem mehr als 20 Landwirte im Einsatz. Im Kreis Ahrweiler haben sie umgestürzte Bäume zersägt und die anderen Helfer versorgt.

Weitere Informationen
In Arloff-Kierspenich im Kreis Euskirchen (NRW) liegt nach der Hochwasserkatastrophe Kinderspielzeug im Schlamm © dpa Foto: Markus Klümper

Hilfe für Hochwasseropfer: So können Sie spenden

Wenn Sie für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe spenden wollen, finden Sie hier Hilfsorganisationen und Bankverbindungen. extern

Große Spendenbereitschaft

Laut Matthias Everinghoff vom Bauernbündnis "Land schafft Verbindung" werden jetzt auch Sachspenden gesammelt. "Wir haben Sammelstellen dafür und koordinieren dann die Transporte", sagte Everinghoff. Das Wichtigste seien momentan Hygieneartikel sowie Möbel. Everinghoff betonte, er sei begeistert von der Spendenbereitschaft der Menschen.

Mehr als Tausend Helfer aus dem ganzen Land

Insgesamt hatten sich allein in Niedersachsen fast 1.100 Einsatzkräfte auf den Weg in die Krisengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gemacht. Darunter waren auch acht Kreisfeuerwehr-Bereitschaften aus den Landkreisen Göttingen, Grafschaft Bentheim, Holzminden, Osnabrück, Schaumburg, Verden, Diepholz und der Region Hannover. Seit Freitag sind außerdem Helfer aus Ostfriesland vor Ort, darunter das THW aus Leer, das an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen im Einsatz ist. Auch Männer und Frauen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Wittmund und Norden helfen im Katastrophengebiet. Auch die Polizei Niedersachsen unterstützt die Kollegen in NRW. Die Beamtinnen und Beamten werden insbesondere zur Verhinderung von Plünderungen in den von Evakuierungen und Stromausfällen betroffenen Gebieten eingesetzt.

Gemeinde in Schleswig-Holstein will betroffenen Kindern Auszeit bieten

Die Gemeinde Bosau (Kreis Plön) will bis zu 40 Kinder aus der Katastrophenregion um Aachen aufnehmen. Sie sollen in Schleswig-Holstein die Möglichkeit haben, eine Woche lang ihren Kopf frei zu bekommen. Sie werden am Freitag in Bosau erwartet. Unterstützt wird die Idee von der örtlichen Jugendfreizeitstätte, den Feuerwehren, dem TSV Plön sowie von zahlreichen Privatleuten. In der vergangenen Woche hatte Bundespolizei in den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen Unterstützung durch einen Helikopter aus Schleswig-Holstein bekommen.

Weitere Informationen
Tobende Kinder im Wald © dpa Foto: A3295 Uwe Zucchi

Hilfsaktion: Bosau will Kinder aus Hochwasser-Gebieten aufnehmen

In einer Jugendfreizeitstätte sollen sich die Kinder von den Ereignissen ablenken und auch psychisch versorgt werden können. (19.07.2021) mehr

Boote aus Hamburg im Einsatz nahe Köln

Aus Hamburg sind rund 70 Polizistinnen und Polizisten ins Krisengebiet gefahren, um bei dem Hochwasser zu helfen. Sie würden von der Wasserschutzpolizei und der Landesbereitschaftspolizei stammen und hätten 15 Boote unterschiedlicher Größe dabei, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Freitag im Hamburg Journal. Die Polizeikräfte sollten in den betroffenen Ortschaften mit ihren Booten die Gegend absuchen. Weitere Einsatzkräfte von Deutschem Roten Kreuz, der DLRG und der Feuerwehr sind in Alarmbereitschaft.

Mecklenburg-Vorpommern liefert Transport-Fahrzeuge

Unterstützung kommt auch aus Mecklenburg-Vorpommern: Am Sonnabend waren 27 Männer und Frauen des Katastrophenschutzes nach Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) aufgebrochen, um insgesamt elf Mannschaftstransportwagen in die Region zu bringen. Sie stammen aus den Landkreisen und den Städten Schwerin und Rostock. Die Helfer übergaben die Transporter vor Ort. Laut Jörg Beckmann vom Katastrophenschutz sind die Helfer "erschüttert über das Ausmaß der Zerstörung im Süden". Er gehe davon aus, dass der Wiederaufbau Jahre dauern werde. Die Bilder aus Wuppertal haben speziell bei der Stadt Schwerin Bestürzung ausgelöst. Wuppertal und Schwerin verbindet seit 1987 eine Städtepartnerschaft.

Weitere Informationen
Aufräumarbeiten nach Jahrhunderthochwasser laufen © NDR Foto: Screenshot

Weitere Helfer aus MV auf dem Weg ins Überschwemmungsgebiet

Ehrenamtliche Helfer aus Vorpommern reisen heute mit einem Kriseninterventionsteam nach Rheinland-Pfalz. mehr

Spuren der Verwüstung im Katastrophengebiet: Ein zerbeultes Auto wird abgeschleppt.
4 Min

Johanniter errichten mobile Krankenstation

Helferinnen und Helfer der Johanniter haben eine mobile Krankenstation in Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtet. 4 Min

Hochwasser in der Altstadt von Goslar am 26.07.2017. © picture alliance Foto: Frank May

Hochwasser: Wie schützt sich Niedersachsen?

Im Sommer 2017 stand Goslar nach extremem Regen unter Wasser. Das Problem weiterhin: Es fehlt an Raum für Wassermassen. (17.07.2021) mehr

Ein Konvoi der Polizei Hamburg startet, um bei der Hochwasserkatastrophe zu helfen. © picture alliance / | -

Hamburger Hilfskräfte in Hochwassergebiet im Einsatz

Die Polizei ist bereits vor Ort, weitere Einsatzkräfte aus verschiedenen Bereichen sind in Alarmbereitschaft. (16.07.2021) mehr

Die Seitenwand eines Transporters ist mit "Die Tafeln  - Essen, wo es hingehört" beschriftet. © NDR Foto: Thomas Karp

Schweriner Tafel sammelt Spenden für Hochwasser-Opfer

Die haltbaren Lebensmittel sollen in der kommenden Woche nach Wuppertal gebracht werden. (17.07.2021) mehr

Im Ortsteil Blessem in Erftstadt steht nach einem Unwetter ein Gebäude an einer Erd-Abbruchkante. © dpa bildfunk Foto: David Young

Kommentar: Weckrufe aus NRW und Rheinland-Pfalz ernst nehmen

Nach den Unwettern mit vielen Toten müsse schnellstens ein Umdenken im Kampf gegen den Klimawandel stattfinden, meint NDR Info Redakteurin Verena Gonsch. (16.07.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.07.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Frauenärztin füllt nach der Impfung einer Schwangeren mit dem Impfstoff „Vaxigrip Tetra“ den Impfpass aus. © picture alliance Foto: Jan Woitas

Grippeimpfung: Vereinzelt Wartezeiten wegen hoher Nachfrage

Erneut wollen sich laut Ärzteverbänden viele Niedersachsen impfen lassen. Es sei aber genug Impfstoff bestellt worden. mehr