Epidemiologin besorgt über Corona-Lage in Niedersachsen

Stand: 28.02.2021 10:47 Uhr

Die Corona-Lage in Niedersachsen beunruhigt Wissenschaftler: Die Epidemiologin Berit Lange plädiert für stärkere Einschränkungen, wenn die Infektionszahlen auf hohem Niveau bleiben.

"Die Entwicklung in Niedersachsen ist besorgniserregend", sagte die Wissenschaftlerin vom Helmholtz-Institut für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. "Die Infektionszahlen sind nicht in dem Maße gefallen wie in anderen Bundesländern. Es gab selten eine vergleichbar niedrige Reproduktionszahl wie in Baden-Württemberg oder Sachsen." In den vergangenen Wochen sei in Niedersachsen eine Seitwärtsbewegung zu beobachten gewesen. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen sogar.

Lange: "Überregionale Einschränkungen offenbar nicht ausreichend"

Epidemiologin am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), schaut in die Kamera. © dpa-Bildfunk Foto: Privat/dpa
Auf hohe Infektionszahlen müsse reagiert werden, mahnt Berit Lange.

"Wir haben Städte und Landkreise mit niedrigen Inzidenzen, aber auch solche mit deutlich höheren Werten sowie einem hohen R-Wert", sagte Lange. Dieser Wert, die Reproduktionszahl, gibt an, wie viele Menschen jeder Infizierte im Durchschnitt ansteckt. Die Zahlen in den Landkreisen, die in die falsche Richtung gehen, müssten stark eingedämmt werden. "Wenn die Infektionszahlen nach oben gehen, wenn die Reproduktionszahl über 1 liegt und die Positivrate hoch ist, muss ich als Stadt oder Landkreis aktiv werden - auch wenn es schon überregionale Einschränkungen gibt, da diese ja offensichtlich nicht ausreichend sind", sagte die HZI-Forscherin. "Je später ich damit anfange, umso mehr Infektionsfälle, schwere Verläufe und Todesfälle habe ich noch für einige Wochen."

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Region Hannover schließt Ausgangsbeschränkungen noch aus

Die Landkreise und Gesundheitsämter analysierten ganz genau, wo sich das Infektionsgeschehen abspiele. "Habe ich zum Beispiel viele Corona-Infektionen im privaten Bereich, greifen Ausgangssperren. Sie führen dazu, dass sich die Leute abends nicht mehr besuchen", sagte die Epidemiologin. "Man muss auch die Bereiche Arbeit, Schule und Heime genau anschauen." Zum Beispiel konnte die Region Hannover ihre hohen Infektionszahlen bisher nicht deutlich drücken. Die Regionsverwaltung führt dies auf die Verbreitung der britischen Mutante zurück, hatte aber Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen zuletzt vorerst ausgeschlossen.

"Andere Städte wie Flensburg, die stark von der britischen Variante betroffen sind, haben allerdings ihre Einschränkungen auf örtlicher Ebene verschärft", sagte Lange. Weil die Region Hannover fast 1,2 Millionen Einwohner hat, haben diese Infektionszahlen Einfluss auf den Landesdurchschnitt. Niedersachsen hat knapp 8 Millionen Einwohner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.02.2021 | 11:00 Uhr

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