Enquete-Kommission für Gesundheitszentren und Landarzt-Quote

Stand: 22.02.2021 19:35 Uhr

Die ärztliche Versorgung in Niedersachsen soll neu geordnet werden. Wie das konkret aussehen soll, hat eine Enquete-Kommission des Landtags erarbeitet.

In ihrem am Montag vorgestellten Abschlussbericht schlägt die Kommission unter anderem vor, die 170 Krankenhäuser im Land neu zu strukturieren und sie in drei Stufen zu unterteilen: Grundversorger, Schwerpunktversorger und Maximalversorger. Als letztere gelten bisher nur die Medizinische Hochschule Hannover und die Universitätsmedizin Göttingen. Künftig sollen es aber sieben sein, indem Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück, Rotenburg und demnächst Georgsheil in Ostfriesland hinzukommen.

Ziel: leistungsfähige Krankenhäuser

Die Maximalversorger müssen praktisch alle medizinischen Disziplinen abdecken und mindestens 600 Betten bereitstellen. Ziel sei es, besser ausgestattete und leistungsfähige Krankenhäuser sowie Ärzte in Wohnortnähe zu haben, erklärte SPD-Gesundheitspolitiker Uwe Schwarz. "Es wird kein Krankenhaus schlechter gestellt, sondern es werden mindestens fünf besser gestellt", so Schwarz weiter.

Gesundheitszentren in unterversorgten Regionen

Zwei bis drei Krankenhäuser stehen jedes Jahr vor dem Aus, wie Schwarz erläuterte. Eine Klinik dürfe aber nicht ersatzlos wegfallen. Deshalb sollen Gesundheitszentren in unterversorgten Regionen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Sie bieten eine Mischung aus Arztpraxis und stationärer Versorgung. "Auch wenn die OP in einem größeren Krankenhaus stattfindet, kann die Nachsorge stationär vor Ort geleistet werden, und auch Besuch kann empfangen werden", sagte Volker Meyer von der CDU.

Studenten sollen sich auf Region festlegen

Zudem schlägt die Kommission eine Landarztquote vor. Konkret soll ein Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, später in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten. Auf eine Region festlegen müssen sie sich dafür noch nicht. Allerdings ist die Planung sehr langfristig - schließlich dauere die Ausbildung der Ärzte oft 12 bis 15 Jahre, betonte Schwarz. Ein weiterer Vorschlag: Die Notrufe der Nummern 112 und 116 117 sollen künftig in Leitstellen der Landkreise gebündelt angenommen und von dort an die zuständigen Stellen weitergegeben werden. Das soll die Notaufnahmen entlasten und mehr Raum für die tatsächlichen Ernstfälle schaffen.

Kritik von Grünen und FDP

In vielen Punkten sei es gut und wichtig, was die Kommission empfehle, sagte Meta Janssen Kucz, Gesundheitspolitikerin der Grünen. Dennoch fordert sie deutlich mehr Geld für die Krankenhäuser. Sie will eine Verdopplung der Krankenhausfinanzierung auf 520 Millionen Euro im Jahr. Die FDP mahnte, die Gesundheitszentren dürften nicht stärker öffentlich gefördert werden als andere Versorger. Außerdem sei die Landarzt-Quote nicht zielführend und für eine Zusammenlegung der Notrufnummern gebe es "keine ausreichende Überschneidung".

Versorgungszenren und Landarzt-Quote sollen helfen

Im Hintergrund der Beratungen stand, dass die Versorgung insbesondere in ländlichen Gebieten immer schwieriger wird. In einem Modellprojekt testet Niedersachsen deswegen bereits regionale Versorgungszentren, außerdem soll eine Landarzt-Quote kommen. Damit könnte das Land einen Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, sich in einem unterversorgten Gebiet niederzulassen.

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