"Ein Skandal": Hausärzte verurteilen Impf-Reihenfolge scharf

Stand: 12.02.2021 14:30 Uhr

Die Impfverordnung sei ein Skandal, sagt Carsten Gieseking vom Deutschen Hausärzteverband. Sieben von acht Corona-Patienten würden ambulant von Hausärzten versorgt. Diese müssten früher geimpft werden.

Hausärzte stünden in der ersten Reihe, so der Chef des Landesverbands Braunschweig. Sie würden aber nicht vorrangig geimpft, anders als Beschäftigte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die in Heimen Pflegebedürftige begutachten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Vizepräsidentin der Ärztekammer "fassungslos"

Auch die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, forderte umgehende Corona-Impfungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. "Dass die Politik bisher nicht auf die Forderung der Ärzteschaft reagiert hat, niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die in der unmittelbaren Patientenversorgung tätig sind, sowie deren Praxisteams gegen Corona impfen zu lassen, macht mich fassungslos", so Renneberg. 

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Impfpriorisierung "unverzüglich anpassen"

Die ambulant arbeitenden Ärztinnen und Ärzte und ihre Angestellten seien "extrem gefordert, coronapositive Patientinnen und Patienten zu erkennen und zu versorgen, um die stationäre Versorgung vor weiterer Überlastung zu bewahren und andererseits nicht infizierte Patientinnen und Patienten vor einer Infektion zu schützen". Renneberg fordert daher, die Impfpriorisierung "unverzüglich anzupassen".

Lösungsansatz in Sicht?

Offenbar bewegt sich bereits etwas in dem Streit: Nach Angaben der stellvertretenden Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, ist geplant, dass in Niedersachsen etwa Zahnärzte und Ärzte, die besonders viel in Heimen unterwegs sind, vorrangig geimpft werden. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Die Kassenärztliche Vereinigung geht noch weiter: Man sei zuversichtlich, dass bald alle niedergelassenen Ärzte mit Kontakt zu Corona-Patienten geimpft werden können. Es gebe Gespräche mit dem Gesundheitsministerium in Hannover. Es werde gerade ermittelt, wie viele Mediziner infrage kommen. Die Zahl solle dem Ministerium übermittelt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.02.2021 | 14:00 Uhr

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